Auf dem Steppenberg Raná

Auf dem Steppenberg Raná

Die Raná ist ein Basalt-Berg am westlichen Ende des Böhmischen Mittelgebirges zwischen Most und Louny. Der Berg ist 457 Meter hoch, an seinem Fuß liegt das namensgleiche Dorf Raná.

Der kleine, aber markante Berg hat erstaunlich viel zu bieten.

Bei der Anfahrt fällt schon von weitem auf, dass die Raná weitgehend waldfrei ist. Nur auf der nordöstlichen Seite wachsen einige Nadelbäume, aber der Begriff Wald wäre für diesen Bestand wohl schon etwas zu hoch gegriffen.

Die Raná liegt ausgesprochen exponiert und bekommt vermutlich jeden Windhauch ab. So wurde der Berg schon ab den 1930er Jahren ein Zentrum des Segelsports in Nordböhmen. Heute gibt es den Aeroklub Raná, welcher seinen Stützpunkt in einem Gebäude am Ortsrand hat. Dort gibt es auch eine Gaststätte.

Blick vom Oblík zum Raná, hinten Erzgebirgskamm
Blick vom Oblík zum Raná, hinten Erzgebirgskamm

Im Zentrum des Dorfes Raná steht eine Kirche, hier gibt es am Straßenrand ein paar Parkmöglichkeiten. Unterhalb des Aeroklubs gibt es ebenfalls einen großen Parkplatz, aber ist der irgendwie gebührenpflichtig. Genauere Information stehen vermutlich auf dem tschechischsprachigen, aber unentschlüsselt gebliebenen Schild daneben.

Aufstieg zum Gipfel

Ein Wanderweg führt vom Dorf auf einen Sattel über den dreigipfeligen Berg, wieder hinunter und südlich um den Berg herum zurück. Auf dem Sattel gibt es einen kleinen Trampelpfad in Richtung des Hauptgipfels.

Hier hat man eine grandiose Aussicht in alle Richtungen, wenn nicht gerade hartnäckiger Herbstnebel im Böhmischen Becken festklemmt (siehe Fotos).

Beim Blick nach Norden liegt das Erzgebirge wie ein großer langer Klotz in der Landschaft. So leicht ansteigend und harmlos wie es von Norden kommend erscheint, umso mächtiger wirkt es aus südlicher Richtung von den böhmischen Mittelgebirgsbergen aus betrachtet. Hier blickt man direkt auf die steil abfallende Wand der tektonischen Bruchscholle eines bilderbuchmäßigen Pultschollengebirges.

In der näheren Umgebung stehen die ebenfalls teils unbewaldeten Nachbarberge Oblík mit Srdov und Brník und die Milá. Der Oblík ist leicht zu erkennen: Auf der Nordseite ist er bewaldet, auf der Südseite ist er komplett baumfrei.

Aber auch Lovoš, Lipská hora, Milešovka und die anderen böhmischen Mittelgebirgsberge sind am Horizont aufgereiht.

Beim Blick in südliche Richtung schaut man bergemäßig betrachtet in ein großes Nichts.

Botanik

Bei einem sogenannten Steppenberg erwartet der Wanderer, bzw. Botanikfreund auch floristische Besonderheiten.

Die gibt es auch mit verschiedenen Arten von Federgräsern Stipa spec., der Finger-Kuhschelle Pulsatilla patens, Wiesen-Kuhschelle Pulsatilla pratensis oder dem Frühlings-Adonisröschen Adonis vernalis.

Im Frühherbst konnte man noch Wollkopf-Kratzdistel, Golddistel, Wiesen-Salbei, Thymian, Karthäuser-Nelke, Gelbe Skabiose, Feld-Mannstreu, Hauhechel und Stengellosen Tragant finden.

Doch was huscht da heimlich in der Ferne umher und verschwindet wieder blitzschnell?

Es sind Ziesel, die faunistische Besonderheit der Raná.

Europäisches Ziesel

Wissenschaftlicher Name: Spermophilus citellus

Familie: Hörnchen Sciuridae

Die tagaktiven Ziesel werden etwa 20 Zentimeter lang (+ Schwanz). Das Fell ist gelbbraun, auf der Rückenpartie ist es hell getupft. Die großen dunklen Augen erhöhen den Niedlichkeitsfaktor ungemein.

Das Steppentier lebt in trockenen wärmebegünstigten Steppen- und Graslandschaften in Österreich, in Südosteuropa und dem Balkan. Die Nagetiere leben in Kolonien und legen Baue an.

Die Verbreitungskarte auf einer Informationstafel zeigt aber das Problem: Die (zumindest tschechischen) Vorkommen sind alle punktuell, kleinflächig und nicht miteinander verbunden.Die roten Punkte auf der Karte stehen für den kläglichen Rest einer ehemals deutlich größeren Zieselpopulation aus längst vergangenen Zeiten.

An eine Wiederausbreitung ist angesichts immer intensiverer Landschaft mit tiefem Pflügen und Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngern wohl nicht zu denken. Der Ziesel benötigt extensiv genutzte Grasflächen, Weiden oder Magerwiesen.

Tafel Europäischer Ziesel
Infotafel Europäischer Ziesel

Bis in die 1950er Jahre gab es sogar noch ein Vorkommen des Ziesels im Osterzgebirge in der Nähe von Oelsen. Jetzt sind das nördlichste Vorkommen und die Verbreitungsgrenze der Art in Nordböhmen.

Die putzigen Viecher sind wirklich aufmerksam und stellen wohl auch Wächter ab, welche mit einem Pfiff die Clique warnen. Von der Ferne sieht man sie aber wuseln.

Natürliche Feinde sind Füchse, Marder, Iltisse und Greifvögel.

Um die kleinen scheuen Racker ordentlich zu fotografieren benötigt man eine große Brennweite, viel Geduld und am besten wohl auch ein Tarnzelt. Leider war alles Drei nicht zur Verfügung. Trotzdem gelangen wenigstens ein paar Aufnahmen aus der Ferne.

Die Fotos entstanden im September, bei einer weiteren Stippvisite im Oktober war vermutlich schon Schlafenszeit. Die Ziesel halten nämlich Winterschlaf. Dann zeugen nur noch Erdlöcher von den flinken Hörnchen, welche 6 bis 8 Monate des Jahres verpennen.

Die Tiere legen in ihren Bauen keine Wintervorräte an, sondern müssen sich Fettreserven anfressen. Das Körpergewicht schwankt deswegen jahreszeitbedingt von 200 bis 400 Gramm. Auf der Speisekarte stehen Pflanzen und kleine wirbellose Tiere.

Naturschutz

Um die einzigartige Natur zu schützen, wurde ein Teil des Berges schon 1936 unter Schutz gestellt.

Konflikte soll es wohl mit dem Segel- und Gleitschirmflugbetrieb geben. Erstaunlicherweise ist die Zieselpopulation an der Raná trotzdem eine der zahlenmäßig stärksten in Tschechien. Zumindest haben die Segelsportler ebenso wie die Ziesel starkes Interesse an einem möglichst baumfreien Berg.

Hinweis zum Wandern an der Raná

An heißen Tagen oder bei Sturm wird empfohlen den Gipfel nicht aufzusuchen.

Abstecher zum Oblík

Der Nachbarberg der Raná lässt sich am besten vom Dorf Mnichov aus erkunden. Der Oblík, ebenfalls ein Basalt- und Steppenberg, erreicht 509 Meter Höhe.

Beim Aufstieg auf der Nordseite konnten wir im Spätsommer/ Frühherbst einige Exemplare des Gewöhnlichen Fransenenzians Gentianopsis ciliata entdecken. Im Frühjahr wachsen hier u.a. Lerchensporn, Leberblümchen und Schlüsselblumen.

Oben angekommen steht man inmitten einer Grassteppe mit botanischen Besonderheiten wie verschiedenen Federgräsern, Österreichischem Lein, verschiedenen Tragantarten, Frühlings-Adonisröschen, Steppen-Veilchen und Steppen-Thymian und vielen anderen Arten, welche an diese Gras- und Steppenlandschaft angepasst sind.

Karte

 

GPS-Daten

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