Durch das Ilsetal zu den Ilsefällen

Wanderung durch das Ilsetal zu den Ilsefällen

Die Wanderung startet am südlichen Stadtrand von Ilsenburg auf dem Wanderparkplatz im Ilsetal. Die Tageskarte fürs Auto kostet moderate 3 Euro (Stand 2017). Schräg gegenüber des Parkplatzes befindet sich das Nationalpark-Haus Ilsenburg.

Heinrich-Heine-Wanderweg

Hier beginnt der Heinrich-Heine-Wanderweg, welcher etwa 12 km lang ist. Der Wanderweg führt vom Brocken bis nach Ilsenburg. Er soll an den großen deutschen Dichter erinnern, der im Herbst 1824 den Harz durchwanderte und seine Erlebnisse in der „Harzreise“ niederschrieb.

Sein Reisebericht beginnt in Göttingen, wobei er die Stadt ziemlich durch den Kakao zieht. Im Wintersemester 1820/21 war er Student der dortigen Universität gewesen, wechselte zwischenzeitlich nach Berlin und kehrte 1824 wieder zurück. Weitere Stationen der Heineschen Harzreise waren u.a. Osterode, Clausthal (dort befährt er die Silbergruben Dorothea und Carolina), Zellerfeld, Goslar und der Brocken. Auf dem Brockengipfel übernachtete er auch. Den Gipfel verließ er dann Richtung Ilsenburg auf der Strecke des heutigen Heine-Weges.

Tafel Heinrich-Heine-Wanderweg
Tafel Heinrich-Heine-Wanderweg

Der 1826 veröffentlichte Reisebericht ist wunderschön bildhaft und ironisch geschrieben und wäre meine Literaturempfehlung für den nächsten Harzurlaub.

Zuerst geht es nun die Straße entlang, links und rechts säumen mit ein paar Pensionen und Hotels die letzten Gebäude von Ilsenburg den Weg. Vor dem Waldhotel „Am Ilsestein“ verlassen wir die Straße und laufen wenige hundert Meter am linken Ufer.

An der Ilse

Endlich sind wir direkt neben der Fluß.

Der Weg führt durch ein malerisches Bachtal. Umgeben von urwüchsigem Laubwald, rauscht die Ilse ins Tal. Der Fluss entspringt oben im Nationalpark östlich der Heinrichshöhe, einer 1045 m hohen Nebenkuppe des Brockens. Nach 42,9 km Flusslauf durch Harz und nördliches Harzvorland mündet die Ilse bei Börßum in Niedersachsen in die Oker.

Der Sage nach ist die Ilse eine Prinzessin, welche auf dem Ilsenstein wohnt.

So wie es damals Heine erging, hat die Ilse auch den Autor dieser Zeilen schnell in ihren Bann gezogen. Allerdings sollte man auch ein wenig auf den Weg achten. Nach den unwetterartigen Regenfällen anfangs der Woche sind die Wege  zum Teil ausgespült. Im Tagesverlauf werden wieder regelmäßig kleine und größere Rinnsale quer und längs über die Wege fließen.

Bald endet der schmale Pfad am linken Ufer und man muss nach rechts über eine Brücke. Hier befindet sich der Zanthierplatz.

Hans Dietrich von Zanthier

Zanthier (1717-1778) war Oberforst- und Jägermeister in Diensten des Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Seinen Dienstsitz hatte er in Ilsenburg und hier gründete er etwa 1764 die erste europäische forstwirtschaftliche Lehranstalt, da er die deutschen Wälder in schlechtem Zustand sah. Zanthier schuf damals die Grundlagen einer modernen Forstwirtschaft und legte dabei u.a. Wert auf nachhaltige Nutzung, Rentabilität, standortgerechte Artenauswahl, Verjüngung der Bestände, Planung und Kartierung.

Wir folgen einem straßenartigen breiten Weg. Ganz schön was los hier. Es ist Wochenende, viele der Wandergruppen wollen sicher noch bis zum Brocken und eilen vorbei. Auf der anderen Flussseite verläuft der Bremer Weg, aber auf dieser Seite hat das Hochwasser die Wege so stark beschädigt, dass sie zurzeit teilweise gesperrt sind.

Der Bremer Weg wechselt nun zu uns auf die linke Seite und führt uns zu den Ilsefällen.

An den Ilsefällen

Es gibt nicht den einen Ilsefall, sondern eine Vielzahl kleiner und größerer Wasserfälle, in Kaskaden hintereinander gereiht. Am liebsten würde man an jedem einzelnen stehenbleiben und beobachten.

Wunderschön ist es hier. Lassen wir den letzten Vertreter der Romatik die Szenerie beschreiben und werfen einen kurzen Blick in die schon  erwähnte „Harzreise“:

„Es ist unbeschreibbar, mit welcher Fröhlichkeit, Naivetät und Anmut die Ilse sich hinunterstürzt über die abenteuerlich gebildeten Felsstücke, die sie in ihrem Laufe findet, so daß das Wasser hier wild emporzischt oder schäumend überläuft, dort aus allerlei Steinspalten, wie aus vollen Gießkannen, in reinen Bögen sich ergießt, und unten wieder über die kleinen Steine hintrippelt, wie ein munteres Mädchen.

Ja, die Sage ist wahr, die Ilse ist eine Prinzessin, die lachend und blühend den Berg hinabläuft. Wie blinkt im Sonnenschein ihr weißes Schaumgewand! Wie flattern im Winde ihre silbernen Busenbänder! Wie funkeln und blitzen ihre Diamanten!“

Nein, schöner und vor allem bildhafter als Heine kann man es nicht in Worte fassen.

Allerdings muss man feststellen, dass jetzt – kurz nach dem Hochwasser – verdammt viel Wasser  das Tal hinunterrauscht. Aus dem „Hintrippeln“ des munteren Mädchens ist momentan ein übermütiges Hinunterstürmen geworden.

Nun wird es heller, da sich einmal das Tal weitet und ein Bereich mit weitflächig abgeholztem Fichtenforst folgt.

Wir erreichen die Bremer Hütte – einen Rastplatz mit Schutzhütte – und verlassen die Ilse. Auf schmalen Pfaden geht es weiter bergan Richtung Brocken.

An der Stempelsbuche

An der Stempelsbuche schaut man enttäuscht um sich. Nur ein paar junge Buchen sind zu sehen. Vermutlich sind sie die Nachfahren einer ehemals markanten mächtigen Buche, welche schon lange das Zeitliche gesegnet hat.

Wir verlassen den Heine-Weg, echte Sportler gehen jetzt die letzten Stationen des Weges bis hinauf zum Brocken an. Rein kilometermäßig ist dessen Gipfel nicht weit weg, aber die vielen Höhenmeter lassen sich nicht wegdiskutieren (von 671m auf 1141m). Zum Brocken führt der Weg über die Hermannsklippe und den kleinen Brocken zum Ziel.

Wir durchqueren teils abgestorbenen Fichtenwald. Der ist zwar nicht schön, aber es wachsen Rippenfarn, Buchenfarn, Europäischer Siebenstern, Roter Fingerhut und Moose in allen erdenklichen Varianten im Weggraben.

Wieder zurück am Ilsefluss geht es  sofort links auf einen breiteren Weg, dann passieren wir am linken Wegesrand eine kleine Hütte und gleich führt ein schmaler Pfad rechts auf den Schindelsteig. Diesem werden wir eine Weile folgen.

Zuerst breitet sich eine große abgeholzte Fläche aus. Dann folgen wir dem Schindelstieg weiter durch tiefen Wald, trotz Wochenende sehen wir keine anderen Wanderer mehr.

Ferdinandstein

Auf dem einsamen Weg erreichen wir den Ferdinandstein. Hier gibt es einen weiten Blick ins Tal, vom Oberen Gebbertsberg (649m) links bis zum Wolfsberg (685m) rechts. Beide schön zu erkennen, da der Borkenkäfer die Kuppen freigestellt hat. (mehr zum Borkenkäferproblem)

Hier wurde anno 1798 der letzte freilebende Wolf erschossen. Wobei der Stein nicht dem armen Tier gedenkt, sondern Ferdinand Graf zu Stolberg-Wernigerode, welcher den tödlichen Schuss abgab.

Wieder laufen wir abwechselnd durch abgestorbenen Fichtenwald, baumfreie Flächen und gesunden Wald bis zum Forsthaus Plessenburg. Noch einmal um die Ecke herum und wir stehen am Waldgasthaus Plessenburg.

Plessenburg

Plötzlich gibt es wieder andere Menschen zu sehen. Wo kommen die denn auf einmal alle her?

Seit der letzten Ilsequerung haben wir nur gerade eben einen einzigen Mountainbiker gesehen, der sich sichtlich bergan quälte. Ganz im Gegensatz zu den vielen elektromotorisch angetriebenen E-Bikern, welche selbst am steilsten Anstieg quietschvergnügt vorbei“radeln“.

1775-76 wurde das Jagdhaus Plessenburg errichtet, 1880 wurde ein weiteres Haus für Küche und Personal gebaut. 1980 wurden die beiden Gebäude miteinander verbunden und das Ensemble bekam sein heutiges Aussehen.

Nach einer kurzen Rast in der Plessenburg geht es durch unattraktiven Fichtenwald, dafür läuft man fast ermüdungsfrei auf konstanter Höhe bis zu den Paternosterklippen. Von dieser Felsenklippe gibt es einen schönen Blick zum Brocken und hinunter ins Ilsetal.

Ein Bächlein fließt auf dem Weg zum Ilsestein über den Weg, ein Schild klärt auf: Es ist das Wasser der Ilsestein-Quelle.

Am Ilsestein

Der Ilsestein ist begehbar und bietet mehrere Aussichtspunkte, sein Gipfel liegt auf 473m Höhe. Hier gibt es nicht nur den obligatorischen Blick zurück zum Brocken, sondern auch einen Blick auf die Stadt Ilsenburg.

Der Ilsestein war im 10. Jahrhundert Standort einer kleinen Burg.

Heute wachsen hier Traubeneichen, Ebereschen, Goldrute, Fetthenne, Preiselbeeren, Heidekraut, TüpfelfarnBraunstieliger Streifenfarn, Ginster u.v.m..

Hier gibt es ein weiteres Ausflugslokal. Im Vergleich zum Gasthaus Plessenburg ist es zwar nur ein Gasthäuschen, aber auch hier sieht es sehr gemütlich aus und das Ambiente lädt zum Verweilen ein.

Auf dem Weg hinunter zur Ilse kommen wir wieder ins Reich der Buche und bald erreicht man die ersten Gebäude von Ilsenburg.

Stempelstellen der Harzer Wandernadel

Auf der beschriebenen Wanderung erreicht man  5 Stempelstellen:

  • Bremer Hütte
  • Stempelsbuche
  • Ferdinandstein
  • Plessenburg
  • Ilsestein

Also, wenn das keine gute Ausbeute ist!

Karte

 

GPS-Daten

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