Forstbotanischer Garten Tharandt – Historischer Teil

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Spazieren unter altehrwürdigen Bäumen

Der historische Teil des Forstbotanischen Gartens liegt an und auf dem Kienberg direkt über der Stadt Tharandt.

Während auf der erst um die Jahrtausendwende angelegten Erweiterungsfläche naturgemäß vorerst nur junge Gehölze zu finden sind, stehen im historischen Teil viele altgediente Bäume. Schließlich sind wir hier in einem der ältesten Arboreten der Welt.

Der große Tulpenbaum – einer meiner persönlichen Favoriten – ist beispielsweise (fast?) von Anfang an dabei. Der Tulpenbaum ist im östlichen Nordamerika beheimatet und dort eine der wichtigsten Laubbaumarten. Als beliebter Park- und Zierbaum wird der Tulpenbaum auch in Europa angepflanzt.

Der Carolina-Schneeglöckchenbaum ist ein als Strauch oder kleiner Baum wachsendes Gehölz aus dem südöstlichen Nordamerika. Im Mai begeistert es mit seinen schneeglöckchenähnlichen Blüten. Das Exemplar im Forstgarten stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Doch es gibt auch unscheinbare Bewohner:

Erhaltung biologischer Vielfalt

Wie schon beschrieben, dienen botanische Gärten auch der Erhaltung biologischer Vielfalt.

Die Weiß-Tanne war früher einmal eine häufige Baumart in sächsischen Wäldern. Etwa ein Drittel aller Bäume sollen Tannen gewesen sein. Nach der Wende zählten die Förster aber nur noch rund 2000 Altbäume. Was war passiert?

Einmal wurden die Holzbestände in Sachsen seit Jahrhunderten stark übernutzt und die Wiederaufforstung fand später hauptsächlich mit Fichten oder Kiefern statt. Die weitverbreitete Kahlschlagsbewirtschaftung gefiel der Tanne nicht und den Rest gaben ihr dann Immissionsschäden, in erster Linie durch Schwefeldioxid. Momentan wird die Weiß-Tanne in sächsischen Forsten wieder stark gefördert.

Mit dem Verschwinden der Weiß-Tanne verschwand auch die Tannen-Mistel, welche auf diese Baumart als Wirtspflanze angewiesen ist. In Sachsen ist die Tannen-Mistel deswegen heute fast ausgestorben. Hier im Forstbotanischen Garten hat sie u.a. auf einer Nordmann-Tanne eine neue Heimat gefunden.

Schweizerhaus

Das Gebäude wurde 1842 als Lehrgebäude errichtet. Heute gibt es hier eine kleine Ausstellung, dazu Informationen, Literatur, Andenken und einen kleinen Imbiss (Öffnungszeiten beachten).

Neben Verwaltungs- und Sozialgebäuden gibt es auch ein Gewächshaus mit tropischen Pflanzen.

Zeisigstein

Der beliebte Aussichtspunkt auf dem Zeisigstein bietet einen Blick in das Tal des Zeisigbachs. Seit der Gartenerweiterung ist auch ein Blick nach Nordamerika zu den Rocky Mountains möglich. Aus botanischer Sicht beachtenswert sind die Vorkommen des Nördlichen Streifenfarns und des Tüpfelfarns im Mauerwerk.

Brücke im Zeisiggrund

Über diese Brücke schlängelt sich seit 2004 der Weg in den neuen Nordamerikateil des Parks. Die rund 120 Meter lange Querungshilfe wurde 2006 mit dem Sächsischen Staatspreis für Baukultur ausgezeichnet. Sie ist schon fast ein kleiner Baumwipfelpfad, läuft man doch, vom Abschnitt über der Freiberger Straße abgesehen, über weite Strecken mit den Baumkronen vis-à-vis.

In diesem Bachtal – unterhalb des weitgehend naturbelassenen Westhangs des Kienbergs – fließt der Zeisigbach, welcher in den ersten Jahren des Forstgartens zur Wasserversorgung genutzt wurde. Später wurden im angrenzenden Tharandter Wald Brunnen angelegt und das Wasser über eine Leitung bis in den Garten gebracht.

Hier unten wachsen Pappeln und Weiden, es gibt ein großes Moorbeet und einen kleinen Teich.

Impressionen

Bedingt durch die Hanglage oberhalb der Stadt gibt es schöne Ausblicke hinunter auf Tharandt oder ins Tal der Wilden Weißeritz. So hat man vom Cottaplatz aus gesehen zusammen mit dem Parkgründer einen schönen Blick auf die Bergkirche Tharandt (Foto 1, 2).

Der Forstwissenschaftler Friedrich Judeich (1828-1894) – ebenfalls mit einer Büste geehrt – war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Direktor der Forstakademie (Foto 3).

Übersichtskarte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
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