Forstbotanischer Garten Tharandt – Nordamerika

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Nordamerika im Kleinformat

Hier, in der Nähe von Tharandt, sind die Rocky Mountains, die Appalachen, die Großen Seen mit dem Niagarafall, die Great Plains und der Große Salzsee innerhalb von Minuten fußläufig erreichbar.

Im Unterschied zum historischen Teil werden in diesem Parkteil nicht Einzelbäume, sondern die kompletten Waldgesellschaften gezeigt. Die Lage der einzelnen Waldformationen innerhalb des Gartens ist in etwa der geografischen Lage in den heimatlichen Gefilden der Gehölze nachempfunden.

 

Viele der nordamerikanischen Bäume und Sträucher sind uns nicht unbekannt, da sie schon länger Einzug in unsere Wälder gefunden haben oder als Ziergehölze gepflanzt werden.

Beispiele für forstwirtschaftliche Nutzung:

Beispiele für Park- und Gartenbäume:

  • Tulpenbaum Liriodendron tulipifera
  • Gewöhnliche Robinie Robinia pseudoacacia (stark verwildernd)
  • Echte Sumpfzypresse Taxodium distichum
  • Riesenmammutbaum Sequoiadendron giganteum
  • Späte Traubenkirsche Prunus serotina (starke Ausbreitungstendenz, invasiv)
  • Abendländischer Lebensbaum oder Gewöhnliche Thuja Thuja occidentalis (in vielen Zuchtformen als Heckenpflanze genutzt)
  • Schwarze Apfelbeere Aronia melanocarpa (Früchte werden u.a. für Marmeladen, Säfte und Likör verwendet)

Großer Salzsee, Große Seen und Niagarafall

Die Vorbilder für die angelegten Teiche sind der Große Salzsee Great Salt Lake im Norden des US-Bundesstaates Utah und die weiter östlich im Grenzgebiet von USA und Kanada gelegenen Großen Seen Great Lakes.

Der Große Salzsee ist in natura ein relativ flacher abflussloser See mit einem hohen Salzgehalt.

Die Großen Seen bilden nach dem Baikalsee die größten Süßwasserreserven der Welt. Die fünf Hauptseen sind – von groß nach klein:

  • Oberer See Lake Superior
  • Huronsee Lake Huron
  • Michigansee Lake Michigan
  • Ontariosee Lake Ontario
  • Eriesee Lake Erie.

Hier gibt es allerdings nur zwei Große Seen, aber immerhin mit einem kleinem Wasserfall dazwischen. Zugegeben, dieser Niagarafall ist etwas harmlos, aber trotzdem ein schönes Detail. Die echten Niagarafälle, welche vom vom Eriesee in den Ontariosee stürzen, bestehen aus drei Einzelfällen, deswegen kennt man sie in der Mehrzahl, hier gibt es nur den einen.

An den Teichen laden Bänke zum Verweilen ein, ab Spätsommer gehen hier die Libellen auf Jagd. Die ersten zwei Fotos auf der Seite der Blaugrünen Mosaikjungfer stammen von hier.

Appalachen und Rocky Mountains

Die beiden Gebirge sind große Steinaufschüttungen und bieten eine schöne Aussicht auf das Gartengelände.

Mittlerweile stehen nicht mehr nur einzelne kleine Bäumchen verloren in der Landschaft herum, sondern im Laufe der Jahre sind viele kleine Wälder entstanden. Dieses Aha-Erlebnis hatte ich jetzt im Spätsommer 2017. Ich war völlig perplex als ich wie selbstverständlich von den Appalachen zu den Rockys schauen wollte und das auf einmal kaum noch geht. Da haben die Bäume in den letzten wenigen Jahren aber richtig Gas gegeben! Nur ein kleines Stückchen lugt noch überm Grün hervor!

Hier ein paar Beispielfotos, dass das alles keine Einbildung ist:

Von der Wiese zum Wald

Was benötigt ein Parkplaner doch für Phantasie und Ausdauer! Aus einer Freifläche sollen Gebirge, Seen und Wälder entstehen – was für ein Kraftakt! Das Endergebnis wird man nie sehen, da es keines gibt. Ein Garten – in diesem konkreten Fall sogar ein ziemlich großer – ist nie fertig. Er lebt, verändert sich und ist jedes Jahr neu und anders.

Die hier wachsenden Gehölze sind übrigens alles waschechte Amerikaner und wurden von den Gartenmitarbeitern persönlich von mehreren Sammlungsreisen als Saatgut mitgebracht. [1] Vom Samenkorn, Eichel und Buchecker zu 15 Hektar Wald! Da muss man seinen Hut ziehen, weiß ich doch aus dem heimischen Garten wie oft schon die kleinen Pflanzen ihren eigenen Kopf haben und anders wachsen, gedeihen und eingehen als der Gärtner es geplant hatte.

Hier noch drei Vergleichsfotos von den Rockies mit Blick in Richtung Westen aus dem Zeitraum von 2005 bis 2017:

Die Ausschnitte sind leider nicht völlig deckungsgleich, zeigen aber deutlich wohin die Reise geht.

Indian Summer

Unerwähnt blieb bisher der Aussichtsturm, von dem man auch noch eine gute Sicht haben wird, wenn die Bäume die künstlichen Gebirge schon überragen. Indian Summer am Tharandter Wald, es muss also nicht immer Vermont sein:

Blick vom Aussichtsturm (2012)
Blick vom Aussichtsturm (2012)

Was dem Mitteleuropäer sein Goldener Herbst, das ist dem Bewohner der Neuenglandstaaten im Nordosten der Vereinigten Staaten der Indian Summer. Das Laub erstrahlt dann in allen erdenklichen Gelb-, Orang- und Rottönen. Mehr Fotos gibt es hier.

Impressionen

Weitere Informationen und Besucherinfos siehe hier

Übersichtskarte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen

Quellen

[1] Andreas Roloff, Ulrich Pietzarka: Forstpark Tharandt – Nordamerikanische Waldformationen im Forstbotanischen Garten Tharandt: Ein Parkführer. TU Dresden, S. 1, 4

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