13. Juni 2019

Oelsen – Bergwiesen am östlichen Rand des Erzgebirges​​

Das Osterzgebirge reicht vom Flöhatal im Westen bis in den Bereich von Bad Gottleuba.

Hier im östlichsten Zipfel – nur reichlich fünf Kilometer südlich von Bad Gottleuba – erwarten uns weiträumige offene Hochflächen mit Bergwiesen, tief eingeschnittene Fluss- und Bachtäler, Steinrücken und naturnahe Wälder.

Ringsum Oelsen gibt es große Wiesenflächen, welche über Jahrhunderte durch extensive Mahd und Weidewirtschaft entstanden. Ein Abstecher auf die böhmische Seite zum Sattelberg Špičák ist ebenfalls eingeplant.

Start in Bienhof

Aus Richtung Bad Gottleuba kommend, fahren wir über Hellendorf und Bärhau Richtung Bienhof. Kurz vor der kleinen Siedlung befindet sich rechts eine freie Fläche, auf der man sein Auto parken kann. Heute lagerte hier jede Menge Holz, aber es war trotzdem ausreichend Platz vorhanden.

Weitere Parkmöglichkeiten gibt es in Oelsen in der Ortsmitte und am oberen Ortsende. Wer aus Richtung A17 kommt, wird wohl die Oelsener Parkplätze bevorzugen. Da die Wanderung einen Rundweg beschreibt, ist auch dort ein Einstieg möglich.

Siedlung Bienhof

Diese Siedlung besteht nur aus einer Handvoll Häusern und wurde im 16. Jahrhundert begründet. Einst war sie Standort eines Hammerwerks für den Eisenerzbergbau, welcher in der Region betrieben wurde.

Gleich zu Beginn gibt es eine Baustelle. Ein Haus ist komplett eingerüstet und mit Planen verhangen. An einigen Stellen bietet sich jedoch ein Einblick und dieser lässt erahnen, dass darunter ein echtes Schmuckstück entstehen wird. Ein Blick ins Internet verrät uns später, dass der Gebäudekomplex 2017 durch eine Brandstiftung zerstört wurde und nun durch die Besitzer mit großem Enthusiasmus wieder aufgebaut wird.

Fotos bei Wikimedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bienhof

Das Haus war einst eine Jagdvilla gewesen und ist in den 1920er Jahren vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz als Erholungsheim und Forschungsstation erworben worden. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude als Alters- und Ferienheim genutzt. Der Verein hatte sich damals durch den Aufkauf von größeren botanisch wertvollen Flächen ringsum um Oelsen verdient gemacht.

Wie herum gehen wir nun am besten?

Nachdem die letzten drei Tage heiß und drückend schwül waren – jeder mit zum Teil heftigen Gewittern als abendlichem Abschluss – wollen wir die kühle Morgenluft und den momentan noch wolkenverhangenen Himmel nutzen und zuerst die offenen Wiesenflächen erkunden und zum Schluss die eher schattenspendenden Bereiche aufsuchen.

Blick aus dem Hotel Augustusberg
Blick aus dem Hotel Augustusberg (mit abendlichem Gewitter)

Also geht es jetzt westwärts Richtung Oelsen, d.h. zweimal rechts halten und den Hang hinauf. (Wer erst hinauf ins Mordgrundbachtal will: Nicht verunsichern lassen, der richtige Weg – rechts am letzten Haus vorbei – ist (zumindest heute) mit einer Kette verhangen. Diese soll aber Autos und nicht uns Wanderer abwehren.)

Ein baumbestandener Weg führt uns in den Wald. Als erste interessante Pflanzen fallen uns Waldgeissbart, Hasenlattich, Knotige Braunwurz, ein erstes Exemplar der Vielblütigen Weißwurz und mehrere Pflanzen der Quirl-Weißwurz auf. Das Kleinblütige Springkraut zeigt seine gelben Blüten.

Ein letzter Blick zurück zur Siedlung und es geht weiter nach oben. Links und rechts des Weges tummeln sich die Junikäfer in Scharen, die Insekten bleiben für den Rest des Tages unsere Begleiter. In einem Abschnitt mit Fichten wachsen Roter Fingerhut und Wald-Sauerklee, später auch Waldziest, Rote Lichtnelke und Blaubeeren.

In steilen Kurven geht es weiter, wenn man oben angekommen ist, sollte man einer dort stehenden mächtigen Buche gebührende Beachtung schenken. Ein paar Meter weiter kommt eine Bank, falls eine kurze Pause notwendig sein sollte. Ansonsten geht es zwischen Waldrand und Feld weiter zum ersten Zwischenziel, der kleinen Ortschaft Oelsen.

Oelsen

Bald sehen wir über die Wiesen und Felder hinweg die ersten Häuser des kleinen Dorfes Oelsen.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, ungefähr aus der Zeit als bei Freiberg das erste Silber gefunden wurde und damit die Erschließung und Besiedlung des Erzgebirges überhaupt erst im großen Stil begann. Oelsen gehört damit zu den ältesten Siedlungen im Osterzgebirge.

Die Oelsener Kirche wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Heute leben etwa zweihundert Einwohner in Oelsen. [1]

Links erspähen wir den Aussichtspunkt Oelsener Höhe, rechts kommen der Kahleberg und Geisingberg ins Bild. Der Kahleberg ist zwar mit 905 Metern Höhe der höchste Gipfel im sächsischen Teil des Osterzgebirges, wirkt aber recht harmlos. Von Süden her flach ansteigend, ist er an seiner nördlichen Abbruchflanke zu erkennen. Der deutlich kleinere 820 Meter hohe Geisingberg ist als Kegelberg schon eher eine markante Landmarke.

Weiter unten im Beitrag sind beide im rechte Drittel des Fotos “Blick vom Gipfel des Sattelbergs” zu sehen.

BergHöhe über NHN
Loučna (Wieselstein)956m
Pramenáč (Bornhauberg)909m
Kahleberg905m
Bouřňák (Stürmer)869m
Stropník (Strobnitz)855m
...
Geising820m
Kohlhaukuppe786m
Špičák (Sattelberg)723m

Tabelle: Berge des Osterzgebirges

An einer Kreuzung schwenken wir nach links auf den Kulmer Steig. Wir folgen dem Feldweg und die Pflanzenwelt bietet genau das, was man am Ackerrand als Begleitflora erwartet: Acker-Hellerkraut, Sonnwend-Wolfsmilch, Kamille, ein paar Kornblumen mit ihrem herrlich leuchtenden hellblauen Blütenköpfen und rote Tupfer vereinzelter Mohnblüten. Wer genau hinschaut findet auch Erdrauch, ein zartes Pflänzchen mit rosa Blüten.

Der Weg zieht sich etwas. In den Lüften zieht ein Roter Milan seine Kreise und bietet etwas Ablenkung. Noch ein paar Meter weiter reicht der Blick bis nach Dresden, so ist der Fernsehturm an den Elbtalhängen in Wachwitz gut zu erkennen (252m hoch, ca. 28km entfernt).

Endlich am oberen Ortsende von Oelsen angekommen biegen wir wiederum nach links auf den Schönwalder Weg ab.

Erste blühende Exemplare der Perücken-Flockenblume fallen als violette Tupfen auf. Bis jetzt zeigten die Blumen noch ihre namensgebenden braunen Hüllblätter des Blütenstandes. Weiterhin wachsen etwas Wiesen-Knöterich, Wiesen-Labkraut und Glockenblumen.

An den häufigen Acker-Witwenblumen sitzen Grünwidderchen. Die ersten Wiesenflächen sind schon gemäht, das ist schade. Hier haben wir vor vielen Jahren Kugel-Teufelskrallen gefunden. Diese Blumen werden hier hoffentlich noch wachsen, aber bei dem frühen Mahdtermin bleiben ihnen allerdings keine Chance Samen auszubilden.

Vorerst muss also ein Foto aus vergangenen Zeiten genügen.

Kugel-Teufelskralle
Kugel-Teufelskralle (2008)

Die Art kommt in Sachsen nur im Osterzgebirge und an einem Standort bei Leipzig vor und ist im starken Rückgang begriffen. Ansonsten begegnet man in Sachsen nur der Ährigen Teufelskralle und der Schwarzen Teufelskralle als Vertreter der Gattung Phyteuma. [2][3]

Oelsener Höhe

Vorbei an einem alten Steinkreuz neben einer einzeln stehenden Rosskastanie erreichen wir reichlich 800 Meter nach dem letzten Abzweig den Aussichtspunkt auf der Oelsener Höhe. Der eigentlich höchste Punkt (644m) liegt etwa 100 Meter weiter halb rechts. Hier am Weg ist eine Art Feldherrenhügel etwa vier Meter hoch aufgetürmt. Die Aussicht ist prima, da bleibt kein Berg in der näheren Umgebung verborgen:

  • Kleiner und Großer Lugstein (eigentlich nicht zu erkennen, verraten sich nur durch den Funkturm)
  • Kahleberg (mit seinen natürlichen Blockhalden)
  • Geising
  • Luchberg
  • Felsen und Tafelberge des Elbsandsteingebirges
  • Lilienstein
  • Hoher Schneeberg Děčínský Sněžník (mit Turm)
  • Tyssaer Wände Tiské stěny
  • Zinkenstein Buková (mit Fernsehturm)

Im Süden und am nächsten von allen beobachteten Landmarken liegt der Sattelberg Špičák, den wir heute noch erreichen wollen.

Drei Hinweisschilder am Geländer helfen dem Unkundigen bei der Bestimmung der umliegenden Gipfel weiter.

Karte: Auswahl sichtbarer Gipfel und markanter Punkte auf der Oelsener Höhe

Von der Oelsener Höhe laufen wir jetzt abwärts Richtung Grenze und Sattelberg Špičák. Eine Feldlerche singt in der Höhe unermüdlich ihr Lied, später beobachten wir noch vier Feldlerchen bei Revierstreitigkeiten.

NSG Oelsen

Ein Schild macht uns auf das Naturschutzgebiet “Oelsen” aufmerksam.

Dort, wo in früheren Zeiten kein ertragreicher Ackerbau möglich war, entstanden durch ein- oder maximal zweischürige Mahd oder extensive Beweidung artenreiche Wiesen. Das hochwertige Heu mit seinem hohen Kräuteranteil konnten die Bauern damals bis nach Dresden verkaufen.

Diese Wiesenflächen wurden schon vor hundert Jahren als schützenswert erkannt und der schon eingangs erwähnte Landesverein Sächsischer Heimatschutz kaufte bis zum Kriegsbeginn 282 Hektar Wald und Wiesen auf. Das Areal umfasste Bereiche in der Nähe des Oelsengrundes, Wiesenflächen südlich von Oelsen an der Grenze zu Tschechien (hier stehen wir gerade) und Flächen im Mordgrundbachtal.

Die weiterverpachteten Flächen mussten von den Bauern traditionell bewirtschaftet werden, um die botanischen Besonderheiten zu erhalten.

Leider wurde der Verein nach dem Krieg enteignet. Noch bevor man einmal “intensive Landwirtschaft” oder “Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft” sagen konnte, waren die wertvollen Wiesenflächen umgepflügt und die Feuchtwiesen entwässert. Ein Großteil der Artenvielfalt ging damals verloren. Als schließlich 1967 das Naturschutzgebiet Oelsen ausgewiesen wurde, konnten nur noch klägliche Reste der einstigen Pflanzenpracht gerettet werden. Das neu gegründete Naturschutzgebiet bestand in erster Linie aus naturnahen Waldbereichen, von den schützenswerten Wiesenflächen war fast nichts übrig geblieben.

Am Geisingberg hatten Verein und Natur deutlich mehr Glück. Dort kann man sich zu Füßen des Geisings mit der Klengelsteigwiese noch heute eine der schönsten und artenreichsten Wiesen des gesamten Erzgebirges anschauen.

Das Naturschutzgebiet Oelsen ist heute 128 Hektar groß und besteht aus 16 zersplittert liegenden Teilflächen. Der Hauptanteil der geschützen Fläche sind Wälder an den Hängen des Gottleubatals südlich der Talsperre und des Mordgrundbaches. Nur reichlich 15 Hektar sind Wiese, ein weiterer Hektar Steinrücke.

Eine Steinrücke ist die „erzgebirgische Form“ des Lesesteinhaufens. Sie bestehen aus den Steinen, welche die Bauern über Jahrhunderte von ihren Feldern gelesen haben und an deren Rändern aufgeschichtet haben. Damit waren die Steine erstmal vom Feld und der eigene Besitz wurde durch die Lesesteinwälle zusätzlich noch abgegrenzt und gekennzeichnet. Der neu entstandene spezielle Lebensraum bot Pflanzen wie der Feuer-Lilie eine neue Heimat.

Erst nach der politischen Wende konnte der Verein wieder Wald- und Wiesenflächen erwerben. Heute wird mit viel Engagement versucht die einstige Blütenpracht durch umfangreiche Pflege- und Projektmaßnahmen wieder herzustellen – ein langer und schwieriger Weg. Deswegen sollten wir Wanderer auch die Wege nicht verlassen, um diese Arbeit nicht zu boykottieren. Ein kleines Fernglas im Rucksack kann da hilfreich sein, wenn ein Blütenfleck auf einer Wiese identifiziert werden soll.

Zu den bedeutenden floristischen Besonderheiten des Schutzgebietes zählen Vorkommen von:

Doch zurück zum Geschehen am Wegesrand: Wir können Bärwurz und Frauenmantel finden, vereinzelt tauchen auch Großer Wiesenknopf, Klappertopf, Alantdistel, Kuckucks-Lichtnelke und Wiesen-Margerite auf. Die Wiese ist nicht besonders bunt, aber ein großer blauer Fleck ist abseits des Weges zu sehen. Es handelt sich um Sibirische Schwertlilien, eine der soeben aufgezählten botanischen Besonderheiten ringsum Oelsen.

So sehen die Sibirische Schwertlilien aus, daneben noch ein Foto einer Feuchtwiese mit der deutlich häufigeren gelbblühenden Wasser-Schwertlilie:

Wie schon geschrieben – zu solchen Stellen bitte nicht hinlatschen! Sonst werden die letzten Exemplare, bzw. die schlecht im Gras sichtbaren Jungpflanzen kaputt getreten. Das Foto der Sibirischen Schwertlilie stammt aus dem Botanischen Garten Schellerhau (etwa 25 Autokilometer entfernt bei Altenberg). Hier können die Besucher die Flora des Erzgebirges auf engstem Raum erleben: Latschenkiefergebüsch, Fichtenwald, Hochstaudenflur, Zwergstrauchheide, Bärwurzwiese, Moor und Steinrücke sind zu entdecken.

Zum Sattelberg Špičák

Wir erreichen einen schmalen Streifen Wald, direkt auf, bzw. an der Grenze verläuft ein Pfad, vorbei an Beständen von Maiglöckchen und Busch-Windröschen.

Wir folgen der Abzweigung zum Sattelberg nach links auf die tschechische Seite. Nach dem Verlassen des Waldstreifens stehen wir wieder auf einer Wiesenfläche. Die ist zu Anfang etwas magerer als eben noch auf deutscher Seite. Es wachsen die gleichen Arten, aber es gibt speziell von der Bärwurz und Großem Wiesenknopf deutlich mehr Exemplare.

Ziesel

Für die Beobachtung einer faunistischen Rarität kommen wir etwa 60 bis 70 Jahre zu spät. Hier gab es bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein Vorkommen des Europäischen Ziesels. Die putzigen Viecher bewohnen Steppen und Graslandschaften in Südosteuropa, auf dem Balkan und in der Türkei.

Die Intensivierung der Landwirtschaft hat nicht nur den Wiesen, sondern auch den kleinen Nagern zugesetzt, was letztlich zu ihrer Ausrottung führte. Wenn man die Tiere heute beobachten will, muss man rüber nach Tschechien an den Berg Raná fahren, ihrem derzeitigen nördlichsten Vorposten.

 Auf dem Steppenberg Raná

Am Fuße des Sattelberges

Wir laufen bergan zum bewaldeten Gipfel. Am Waldrand rechts halten, nach einhundert Metern geht es schon links in den Wald hinein. Nach weiteren 100 Meter führt ein schmaler Pfad, welcher von Blaubeeren, Wachtelweizen und Harz-Labkraut gesäumt wird, nach oben zum Gipfel. Eine ausreichende Wanderwegsbeschilderung ist auch auf tschechischer Seite vorhanden (“Špičák vrchol“).

Auf dem Gipfel

Schon fast oben angekommen führt ein Trampelpfad zwischen kleinen Basaltblockhalden auf den höchsten Punkt, hier oben tritt das Grundgestein in Form von Basaltsäulen aus dem Boden. Die A17 haben wir schon während des Aufstiegs hören können, sie ist hier gerade 500 Meter weit entfernt. Die Autobahn ist sicher kein schöner Anblick, aber sonst würde sich der Schwerlastverkehr immer noch die B170 entlang quälen. (Genau genommen sehen wir nicht die A17, sondern die tschechische Autobahn D8)

Wenn man die Motorengeräusche irgendwann gedanklich ausgeblendet hat, kann man dann auch den Rest der Aussicht genießen.

Das Gipfelkreuz aus Sandstein wurde 2014 neu aufgestellt, das Original wurde nach dem Krieg zerstört. Der Berg ist 723 Meter hoch und als Naturreservat geschützt. Unterhalb des Gipfels kamen wir eben noch an den Grundmauern einer alten Gastwirtschaft vorbei, welche nach dem 2. Weltkrieg aufgegeben wurde.

Foto bei Wikipedia: Postkarte von 1910 mit Ausflugslokal und baumlosem Gipfel

Jetzt kommt sogar noch die Sonne raus, da sieht die Umgebung gleich viel freundlicher aus.

Rückweg nach Bienhof

Wir wandern vom Sattelberg wieder so zurück, wie wir gekommen sind, bis zu dem Waldstreifen an der Grenze.

Die dunkelgrünen Blätter der Haselwurz fallen auf, Grund genug mal genauer ins umliegende Gesträuch zu schauen. Die nächsten Meter wachsen auch Süße Wolfsmilch, Schlüsselblümchen, Große Sterndolde, Lungenkraut, Waldmeister, Quirl-Weißwurz und Türkenbundlilien. Leider tragen nur wenige Exemplare  Knospen, aber für eine Blüte ist es sowieso noch zu früh. Die Große Sterndolde wächst hier sogar mitten auf dem ansonsten grasbewachsenen Weg!

Im Tal des Mordgrundbachs

Auf stillen Pfaden wandern wir abwärts. Mit anderen Wanderern ist hier – zumindest unter der Woche – wohl nicht zu rechnen.

Am Ufer eines schmalen Bachs, es ist der Mordgrundbach, wächst Weiße Pestwurz. Jetzt öffnet sich der Wald etwas und auf der kleinen Lichtung entrollt der Adlerfarn kunstvoll seine Wedel.

Der Mordgrundbach entspringt auf tschechischer Seite bei Krasný Les und markiert hier ein Stück die Grenze nach Tschechien. Er ist etwa 10 Kilometer lang und fließt bei Hellendorf in die Bahra.

Das Tal wird breiter, rund anderthalb Kilometer Strecke haben wir noch vor uns. Rechterhand eine Wiese, auf der anderen Talseite fließt der Bach. Nanu, links steht unerwartet etwa ein halbes Dutzend Eiben. Grund genug, den Blick den Hang hinauf schweifen zu lassen. Hier wächst ein schöner Laubmischwald mit Buchen, Eichen, Ahornen und Linden mit ein paar eingestreuten Weißdorn- und Haselsträuchern. Nun sind wir nach insgesamt etwa 10 Kilometern Wegstrecke wieder in der Siedlung Bienhof angelangt.

Rückhaltebecken Mordgrundbach

Auf der Rückfahrt erfolgt noch ein kurzer Fotostopp am Rückhaltebecken Mordgrundbach, welches 1959 bis 1966 errichtet wurde. [5]

Von der Einlaufseite aus gesehen, sieht das im Teilstau entstandene Gewässer inklusive der kleinen Insel recht idyllisch aus. Vom Auslauf aus betrachtet ist der Erddamm aber schon ein ganz schöner Klotz. Dann will man sich lieber gar nicht vorstellen, wir der momentan harmlos erscheinende Mordgrundbach dieses Becken volllaufen lässt. Aber umsonst wird man das Bauwerk nicht errichtet haben, Hochwasserkatastrophen haben im Osterzgebirge eine lange und schlimme Tradition.

Das Jahrhunderthochwasser von 2002 sollte noch in unschöner Erinnerung sein. Doch schon 1897, 1927, 1957 und 1958 kam es zu beträchtlichen Verwüstungen in den Tälern des Osterzgebirges, zum Teil mit vielen Todesopfern.

Weitere Wanderziele in der direkten Umgebung

Talsperre Gottleuba

In der Karte ist eine weitere Wanderung von der Talsperre Gottleuba beginnend in Richtung Oelsengrund dargestellt.

Die Gottleuba, ein Nebenfluss der Elbe, wurde hier nach den letzten schweren Hochwassern von 1957 und 1958 gestaut. Der Bau der Talsperre erfolgte von 1965 bis 1976. Sie sorgt für die Trinkwasserbereitstellung für den Raum Pirna, dient aber auch dem Hochwasserschutz.

Blick vom Augustusberg in Richtung Talsperre Gottleuba
Blick vom Augustusberg in Richtung Talsperre Gottleuba

Die südlich gelegene Siedlung Oelsengrund wurde im Rahmen des Baus der Talsperre geschliffen.

Auch auf dieser Wanderung ist man wochentags fast allein unterwegs. Mit etwas Glück kann man den hier brütenden Schwarzstorch übers Gottleubatal fliegen sehen. Diese Wanderung ist auch etwa 10 bis 12 Kilometer lang und ließe sich prinzipiell mit der oben beschriebenen Wanderung verbinden. Botanikfreunde, welche sich auch die Wildblumen genauer anschauen wollen, haben dann allerdings deutlich weniger Zeit zum Schauen.

Der Hohle Stein – Das Prebischtor im “Westentaschenformat”

Der Hohle Stein ist ein etwa drei Meter hohes und vier Meter breites Felsentor. Es besteht allerdings nicht aus Sandstein wie das große Vorbild in der Bömischen Schweiz, sondern aus Grauem Biotitgneis. Faszinierend, was ein natürlicher Verwitterungsprozess hier in die Landschaft gezaubert hat.

Erreichbar ist das Geotop über die Straße von Oelsen nach Bad Gottleuba (von der Oelsener Straße in der Senke etwa 600 Meter bis zum Abzweig, Wegweiser beachten!).

Karte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
GPS-Daten Wanderung downloaden

Quellen

[1] https://www.stadt-bgb.de/texte/seite.php?id=267069 (16.6.2019)

[2] Müller & Kubát: Seltene Pflanzen im Erzgebirge. CDSM.cz, Ústí nad Labem, 2013, S. 190

[3] Hardtke & Ihl: Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens. Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 1999, S. 513

[4] Naturschutzgebiete in Sachsen. Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, 2010, S. 610.

[5] https://www.smul.sachsen.de/ltv/13754.htm#article15279 (16.6.2019)

Oelsen – Bergwiesen am östlichen Rand des Erzgebirges
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