Familie Orchideengewächse Orchidaceae

Phalenopsis-Hybride
Tropische Orchidee: Phalenopsis-Hybride

Heimische Orchideen

Beim Begriff Orchideen denken die meisten Menschen sicher zuerst an Pflanzen tropischer Herkunft mit ihren prachtvollen exotischen Blüten.

Die meisten Arten wachsen zwar in den Tropen und Subtropen, aber es gibt auch etwa 60 bis 80 Arten, welche in heimischen Gefilden wachsen. Weltweit umfasst die Pflanzenfamilie der Orchideen die stattliche Anzahl von 15000 bis 30000 Arten. [1]

Zugegeben: Es gibt viele heimische Orchideen, die eher unscheinbar sind und leicht übersehen werden können. Von Unkundigen werden sie womöglich nicht mal als Orchideen erkannt. Da wären zum Beispiel die zierliche Korallenwurz, die völlig ohne Blattgrün wachsende Vogel-Nestwurz oder das Große Zweiblatt mit seinen gerademal gelblich-grünen Blüten.

Aber auch viele heimische Arten mögen den großen Auftritt: Der Gelbe Frauenschuh oder die Bienen-Ragwurz tragen sehr opulente oder fast exotisch anmutende Blüten. Oder das Purpur-Knabenkraut, welches stattliche Wuchshöhen von deutlich über einem halben Meter bis zu 80cm erreicht.

Wer sich näher mit (den heimischen Vertretern) dieser faszinierenden Pflanzenfamilie beschäftigt, wird überrascht sein von der Vielgestaltigkeit der Wuchsformen oder Blüten.

Beschreibung

Orchideen besiedeln die verschiedensten Lebensräume. Man findet sie

  • in naturnahen Laubwäldern (Gelber Frauenschuh, Weiße, das Rote und das Schwertblättrige Waldvöglein, Korallenwurz, Vogel-Nestwurz),
  • auf Mager- und Halbtrockenrasen (Bienen-Ragwurz, Spinnen-Ragwurz, Fliegen-Ragwurz, Helm-Knabenkraut, Bocks-Riemenzunge)
  • oder auf Feuchtwiesen (Breitblättriges Knabenkraut, Sumpf-Stendelwurz).

Die Orchideen bilden viele, aber dafür nur winzig kleine Samen aus, welche fast kein Nährgewebe haben. Die neuen Keimlinge können dadurch auf keine Reserven zurückgreifen und sind deswegen auf bestimmte Pilzarten als Wurzelsymbionten angewiesen. Diese Form der Symbiose von Pilzen und Pflanzen wird Mykorrhiza genannt. Durch den Pilz werden sie anfangs mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Die Entwicklung vom Samen bis zur blühfähigen Pflanze kann oft viele Jahre dauern. So vergehen beim Gelben Frauenschuh bis zu 16 Jahre bis zur Blühreife. [2] Ein Vorteil der winzigen Samen ist, dass sie kilometerweit durch den Wind verfrachtet werden können. Allerdings müssen sie am Landeplatz erstmal geeignete Bedingungen vorfinden.

Orchideen sind einkeimblättrige Pflanzen.

Die tropischen Orchideen wachsen oft als Aufsitzerpflanzen auf Bäumen (Epiphyten, keine parasitäre Lebensweise!), während unsere heimischen Orchideen dagegen ohne Ausnahme terrestrisch wachsen (Erdorchideen).

Gefährdung

Viele heimische Orchideenarten sind selten geworden und haben in den letzten Jahrzehnten zum Teil beträchtliche Bestandseinbußen hinnehmen müssen.

Trotzdem werden noch immer wertvolle Flächen, auf denen Orchideen wachsen, dem Straßen-, Wege- oder Siedlungsbau geopfert. Durch Nutzungsänderungen wie Aufforstung, Beweidung, Düngung und landwirtschaftliche Nutzung gehen weitere Orchideenpopulationen zu Grunde.

Leider werden die heimischen Orchideen auch oft von sogenannten Naturfreunden ausgegraben. Im heimischen Garten finden die Pflanzen aber nur sehr selten die Wachstumsbedingungen, welche sie benötigen; sie verkümmern und gehen schließlich ein. Viele Vorkommen seltener Pflanzen sind auf diese Art schon regional ausgerottet worden.

Auch jeder Orchideenfreund, der „nur mal ganz kurz und auch nur diese eine“ Pflanze aus der Nähe betrachten möchte und dabei die Wege verlässt, tut den Pflanzen nicht Gutes. Schnell entsteht dann quer durch ein kostbares Biotop ein Trampelpfad, welcher von einer Orchidee zur nächsten führt. Dabei werden nicht nur junge Pflänzchen niedergetreten, allein die Verdichtung des Bodens ist den Pflanzen abträglich. Die Erinnerung an die schönen und seltenen Wildblumen ist aus „sicherer“ Entfernung genauso wertvoll. Und die Erfahrung lehrt, dass letztlich immer ein Exemplar jeder Art mal direkt zum Fotografieren am Wegesrand steht.

Auf dem Orchideenpfad in den Toten Tälern (Saale-Unstrut-Gebiet)
Eingezäunte Wege auf dem Orchideenpfad in den Toten Tälern (Saale-Unstrut-Gebiet). Das Wege-Gebot dient dem Schutz der Orchideenvorkommen.

Doch selbst die Orchideen, welche nicht direkt durch „Spatenbotaniker“, Straßenbau, Landwirtschaft oder in unsere verbliebene Restnatur hineinwachsenden menschlichen Siedlungen bedroht sind, blühen nicht gänzlich ungefährdet. Auch sie sind den Einträgen von Schadstoffen und Dünger (viele Arten bevorzugen nährstoffarme Böden) aus der Luft ausgesetzt. Auch klimatische Änderungen können Orchideenbiotope schädigen, z.B. durch veränderte Niederschlagsmengen.

Alle Orchideenarten sind in Deutschland und in ganz Europa geschützt!

Orchidee des Jahres

Seit 1989 wird durch die deutschen Arbeitskreise Heimische Orchideen (AHO) die Orchidee des Jahres bestimmt. Dadurch soll auf die Gefährdung bestimmter Orchideenarten hingewiesen werden.

Die letzten Jahresorchideen waren:

JahrArtname deutschArtname lateinisch
2019Dreizähniges KnabenkrautNeotinea tridentata
2018Torfmoos-KnabenkrautDactylorhiza majalis subsp. sphagnicola
2017Weißes WaldvögleinCephalanthera damasonium
2016Sommer-DrehwurzSpiranthes aestivalis
2015Fleischfarbenes KnabenkrautDactylorhiza incarnata
2014Blattloser WiderbartEpipogium aphyllum
2013Purpur-KnabenkrautOrchis purpurea
2012Bleiches KnabenkrautOrchis pallens
2011Zweiblättrige WaldhyazinthePlatanthera bifolia
2010Gelber FrauenschuhCypripedium calceolus

Einheimische Orchideenarten

Wanderungen

GPS-Daten NSG Am Galgenteich Altenberg

Wanderung durch das NSG Tote Täler bei Freyburg/ Unstrut

Rotes Moor und Heidelstein

zurück zur Übersichtsseite Blütenpflanzen

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Orchideen

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Gelber_Frauenschuh