Rotes Moor und Heidelstein

Rotes Moor und Heidelstein

Nach dem gestrigen Besuch des bayrischen Schwarzen Moores ist heute das hessische Rote Moor an der Reihe. Das Rote Moor liegt auf über 800 bis 830 Metern Höhe. Die Kälteinsel Hochrhön mit ihren vielen Niederschlägen bietet gute klimatische Bedingungen für die Entstehung von Mooren.

Start der Wanderung

In der Nähe des Roten Moores gibt es einen großen Wanderparkplatz und das NABU-Haus “am Roten Moor”. Der heutige Startpunkt ist über die B278 zwischen Ehrenberg und Bischofsheim an der Rhön zu erreichen. Im Gegensatz zu den vielen anderen kostenlosen Parkmöglichkeiten muss man hier eine Tageskarte lösen (2€, Stand 2018).

Nach Querung der Bundesstraße läuft man einen breiten Waldweg westwärts. Im Weggraben bestimmen die Blüten eines weißen Doldenblütlers (?) das Bild. Das ganze wird aufgelockert mit Bachnelkenwurz, Ähriger Teufelskralle, Frauenmantel, Wald-Storchschnabel und Mädesüß. Wer genau aufpasst, findet auch einige Exemplare der Trollblume.

Stausee

Nach 300 Metern erreichen wir einen kleinen Stausee. Gleich am Ufer wächst Blutauge, mehrere Bänke laden zum kurzen Verweilen ein. Die Umgebung spiegelt sich in der ruhigen Wasseroberfläche.

Rotes Moor

Gleich nach einer Wiese mit ein paar Orchideen nehmen wir den Abzweig nach rechts. In einem kleinen überdachten Infopunkt gibt es Informationen über das Rote Moor, bzw. das, was davon noch vorhanden ist. Im Vergleich zum Schwarzen Moor – dem größten Hochmoorkomplex der Rhön – ist hier nach Jahren der intensiven Nutzung nur noch ein kläglicher Rest übrig geblieben.

Der Torfabbau begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Wälder waren übernutzt worden, Holz als Brenn- und Baumaterial war knapp.

So wurde das abgebaute Torf zuerst als Brenntorf verwendet, aber später auch als Badetorf nach Bad Bocklet, Bad Brückenau, Bad Kissingen und weiteren Bädern in der Region geliefert. Eine Schautafel mit Karte und historischen Fotos zeigt wie ab 1960 mit Bagger und Lohrenbahn das Torf abgetragen und abtransportiert wurde. Kein Vergleich zu den Torfstechern vergangener Tage, die noch mühsam mit dem Spaten hantierten und entsprechend langsam vorankamen.

Im Jahr 1979 stellte Hessen das Areal als Naturschutzgebiet unter Schutz. Allerdings wurde erst 1984 der Torfabbau im Roten Moor komplett eingestellt. Gerade mal fünf Hektar – etwa ein Zehntel der ursprünglichen Hochmoorfläche – misst der verbliebene Rest.

Das gesamte Naturschutzgebiet „Rotes Moor“ umfasst eine Fläche von 314,7 Hektar, eine Teilfläche von 100 Hektar ist als Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservates Rhön ausgewiesen.

Schon mit der Unterschutzstellung starteten Anstrengungen zur Wiedervernässung des erhaltenen Restmoores und der abgetorften Fläche – der oben erwähnte Stausee ist Teil dieser Renaturierungsmaßnahmen, er wurde sogar schon 1972/73 angelegt. Flächen wurden entbuscht und Entwässerungsgräben geschlossen. Nun ist es ein langer Weg: Ein „funktionierendes“ Hochmoor wächst grob übern Daumen gepeilt etwa einen Millimeter pro Jahr.

Doch wieder zurück zum Infohäuschen: Hier startet ein Bohlenweg, welcher rollstuhl- und kinderwagentauglich ist. Er führt uns auf den nächsten etwa 900 Metern bis zu einem Aussichtsturm. Da das Rote Moor offensichtlich ein beliebtes Ausflugsziel ist, läuft man hier allerdings nicht allein.

Im Birkenwald

Wer eben noch die Infotafeln genau studiert hat, weiß, dass er jetzt durch einen Karpatenbirkenwald läuft.

Die Moor-Birke Betula pubescens ist eine Charakterart der Moor- und Bruchwälder. Sie wächst als Baum oder Strauch auf feuchten bis nassen Standorten mit nährstoffarmen Böden. Die Unterart Betula pubescens subsp. carpatica unterscheidet sich u.a. durch eine etwas gelblichere bis rötlichere Rinde. Den Namen erhielt sie, weil sie in den Karpaten erstmalig nachgewiesen, bzw. beschrieben wurde.

Die Moor-Birken sind aufgrund ihrer speziellen Standortbedingungen deutlich seltener als die bekannte Hänge-Birke oder Sand-Birke Betula pendula.

Die Strauchschicht wird von Heidelbeeren dominiert, vereinzelt wächst die Rauschbeere, Heidekraut oder Harz-Labkraut. Am Anfang des Bohlenweges wuchs ein Klecks Preiselbeeren. Ab und zu zeigt verblühtes Wollgras seine weißen Fruchtstände.

Weitere weiße Tupfer stammen vom Europäischen Siebenstern. Das sind nur kleine zarte Pflänzchen, also genau hingucken. Jetzt – Ende Mai/ Anfang Juni – zeigen einige Exemplare noch ihre Blüten. Sie bestehen aus sieben Blütenblättern, womit die Herkunft des Pflanzennamens erklärt wäre. Eine weitere botanische Besonderheit ist der Sprossende Bärlapp, welcher gern auf solchen feuchten und sauren Böden wächst. Er ist eine immergrüne, ausdauernde Pflanze, welche kriechende mehrfach gabelig verzweigte Sprosse ausbildet.

Für Informationen über das Torfmoos, welches entscheidend für die Entwicklung und Funktion eines Moores ist, siehe hier:

Siehe Torfmoos

Die faunistische Besonderheit des Moores ist das Birkhuhn. Dieses zu erspähen, hat Otto Normalbesucher vermutlich keine Chance.

Aussichtsturm Rotes Moor

Im Vergleich zum Schwarzen Moor ist hier alles etwas kleiner und bescheidener, so auch der Aussichtsturm. Trotzdem kann man einen schönen Blick über das Rote Moor genießen, im Hintergrund grüßt schon der Heidelstein. Der Berg wirkt eher unscheinbar, ist aber durch seinen Sendemast nicht zu übersehen.

Wieder zurück am Parkplatz soll es noch zum besagten Heidelstein gehen, der Abstecher zum Roten Moor ist gerade mal drei Kilometer lang. Der Tag ist noch jung, sonst hat sich das Aufstehen ja kaum gelohnt.

Am unteren Parkplatzende startet ein Moorrundweg, diesen kleinen Schlenker nehmen wir noch mit, wie weiter unten auf der Karte zu sehen ist. Ansonsten kann man auch auf direktem Weg vom Parkplatz in Richtung Heidelstein losstapfen. Auf dem Moorrundweg führt ein schmaler Pfad durch den Wald bis zur Wüstung Mohr, ehemals Standort eines kleinen Dorfes, welches im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.

Nach dem Verlassen des Moorrundweges geht es bald bergan, die Spitze des Sendemasts auf dem Heidelstein gibt die Richtung vor. Mittlerweile haben wir die Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern überschritten. Als botanisch interessierter Wanderer kommt man nur ganz langsam und immer noch ein bisschen langsamer den Pfad durch die Bergwiesen voran. Was für eine unerwartete Artenvielfalt! Man wird mit abwechselnd nach links und rechts schauen gar nicht fertig!

Es wachsen Ährige und Kugel-TeufelskralleWald-Storchschnabel, Heilziest, Pechnelke, Türkenbund, Großer Wiesenknopf, Berg-Flockenblume und Berg-Platterbse, um nur ein paar Arten zu nennen. Auf den eingestreuten nasseren Flächen wachsen Wald-Läusekraut, Brauner Klee, Blutauge, Wollgras, Schlangen-Knöterich, Sumpfdotterblume oder Trollblume.

Zum Teil sind das Arten, welche ich noch nie in so einer Vielzahl und Konstellation dicht nebeneinander habe wachsen sehen. Aber ich bin ja nur Hobbybotaniker, dass muss also nichts bedeuten. Die rauen Bedingungen auf dem Heidelstein fordern allerdings sichtbar ihren Tribut. Je weiter wir uns der 900m-Höhengrenze nähern, desto öfter fallen uns Pflanzen auf, welche sich ziemlich anstrengen müssen. Die Türkenbund-Lilien (leider nur Knospen) und Waldhyazinthen wachsen teilweise verkümmert. Trotzdem ist es eine Pracht, hier oben gesellen sich noch die ersten Arnikablüten dazu.

Der Heidelstein

Der Heidelstein erreicht 925,7 Meter Höhe. [2] Über den Berg, welcher Teil des Naturschutzgebietes „Lange Rhön“ ist, verläuft die Rhein-Weser-Wasserscheide.

An der L3395 nahe der Kreuzung mit der Hochrhönstraße gibt es den Wanderparkplatz Schornhecke, über den der Heidelstein ebenfalls leicht erreichbar wäre.

Sender Heidelstein

Auf dem Heidelstein befindet sich seit 1969 ein 218 Meter hoher Sendeturm der heute von der Deutschen Telekom AG betrieben wird. Am Tor hängt ein Zettel, welcher über die ausgestrahlten Programme informiert: Es werden diverse Fernseh- und Hörfunkprogramme gesendet. Seit 2006 wurde das analoge Programm eingestellt und damit begonnen digitales terrestrisches Fernsehen auszustrahlen.

Der Mast ist 200 Meter hoch und über 800 Leiterstufen erklimmbar. Also für mich wär‘ das nichts. Oben wird das Ganze durch einen weitere 18 Meter hohen Antennenaufsatz gekrönt.

Wer will das Gewicht des Mastes (ohne Seile) schätzen? Lösung siehe ganz unten [3].

Was der Wasserkuppe ihre Radarkuppel, ist dem Heidelstein sein Sendemast. So sind diese zwei Berge auch für den Rhönlaien leicht zu identifizieren und man hat immer einen guten Orientierungspunkt in der Landschaft.

Schwabenhimmel mit Gedenkstätte

Wir laufen auf dem Bergrücken ostwärts. Ein Kuckuck ruft unentwegt. Als ich nach langem Zögern dann doch das Handy für eine Tonaufnahme zücke, ist der Vogel plötzlich verstockt! Trotzdem schön, dass man diese Vogelart hier in der Rhön noch öfters hören kann. Einen knappen Kilometer weiter erreichen einen Nebengipfel, welcher 912,6 Meter hoch ist. [2]

Laut GPS-Karte ist der Gipfel mit Heidelstein und Schwabenhimmel angegeben. Auf den Karten des Rhönklubs soll wohl der Hauptgipfel am Sender der Schwabenhimmel sein, aber das sollen die Rhönbewohner unter sich ausmachen.

Hier befindet sich die Gedenkstätte des Rhönklubs an dem alljährlich im September den verstorbenen Wanderkameraden gedacht wird. Neben dem Gedenkstein erinnert ein Kreuz aus Streckmetallzaun daran, dass diese Landschaft im Dreiländereck von Thüringen, Hessen und Bayern über Jahrzehnte durch Grenzanlagen und Stacheldraht zerteilt war.

Der Ort hat etwas in und an sich, dass den Besucher still und andächtig werden lässt.

Die Rhön – das Land der offenen Fernen

Auf dem Rückweg – die Pflanzenwelt haben wir jetzt kennengelernt – heben wir jetzt auch öfters den Blick und würdigen wir auch die fernere Umgebung mit der gebührenden Aufmerksamkeit.

Von hier oben hat man einen herrlichen Blick über die freie weite offene Landschaft, über die bunten Wiesen und grünen Weiden zu den Gipfeln der Hügel und Berge. Die einzelnen eingestreuten Bäume und Gebüsche erwecken einen parkähnlichen Eindruck.

Diese Landschaft ist auf ihre eigene, einfache und unspektakuläre Weise wunderschön.

Zurück am Parkplatz

Im NABU-Haus gibt es die Möglichkeit zu einem Imbiss und kostenpflichtige Sanitäranlagen. Der Kuchen hat lecker geschmeckt.

Weiterhin gibt es eine kleine Ausstellung über das Rote Moor von der mir in erster Linie das Modell eines überdimensionalen  Torfmoospflänzchen in Erinnerung geblieben ist.

Karte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
GPS-Daten Wanderung downloaden

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Rotes_Moor_(Rh%C3%B6n)

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Heidelstein

[3] Gewicht des Sendemastes ohne Abspannseile = 245 Tonnen (Aushang am Sender)

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