Wanderung um die Talsperre Klingenberg

Wanderung um die Talsperre Klingenberg

Der letzte Wanderparkplatz befindet sich – aus Richtung Klingenberg kommend – knapp anderthalb Kilometer vor der Talsperre. Hier geht’s los.

Über die Streichholzbrücke zur Talsperre

Anstatt die Straße bis zur Staumauer zu latschen kann man auf den erstbesten Wanderweg nach rechts abbiegen und einen kleinen Umweg über die Streichholzbrücke laufen. Dieses Bauwerk ist letztlich deutlich stabiler ausgeführt als es der Name vermuten lässt. Die Brücke wurde 1910 bis 1911 ursprünglich als Holzkonstruktion gebaut. Damals führte über sie eine Bahnstrecke, welche für den Talsperrenbau genutzt wurde. Beim aufmerksamen Weiterwandern sieht man auch, dass wir auf einer ehemaligen Bahntrasse laufen. 1924 wurde die Holzbrücke durch einen Variante aus Eisenbeton ersetzt, die filigrane Art der Konstruktion aber offensichtlich beibehalten. Die alte Werkbahn wurde nicht mehr benötigt und zurückgebaut.

Nach knapp zwei Kilometern sieht man nun das erste Mal die Talsperre und die Staumauer.

Die Wilde Weißeritz wird auf ihrem Weg zweimal aufgestaut. Zuerst durch die Talsperre Lehnmühle und ein paar Kilometer Flusslauf später hier und jetzt durch die Talsperre Klingenberg.

Schema des Flusssystems der Wilden Weißeritz
Schema des Flusssystems der Wilden Weißeritz

Talsperre Klingenberg

Die Talsperre Klingenberg dient dem Hochwasserschutz, der Elektroenergiegewinnung und der Wasserversorgung von Teilen des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Städte Freital und teilweise Dresden. Das Rohwasser wird über Stollen und Rohrleitungen bis zum Wasserwerk Dresden-Coschütz geleitet. In den Wasserwerken Dorfhain und Tharandt wird damit zwischenzeitlich sogar noch Strom erzeugt.

Bei Vollstau ist die Wasserfläche rund 113 Hektar groß, die Talsperre ist etwa 4 Kilometer lang.

Baden und Wassersport sind aus Gründen des Trinkwasserschutzes verboten.

Bau der Talsperre

Ende Juli 1897 hatte die Wilde Weißeritz ihrem Namen alle Ehre gemacht und mit einem verheerenden Hochwasser große Verwüstungen in ihrem Tal angerichtet. Zudem stieg auch der Bedarf an einer zuverlässigen Wasserversorgung in Freital und Dresden.

Mit dem Bau wurde 1908 begonnen und 1914 wurde sie dem sächsischen König zu Ehren als Friedrich-August-Talsperre in Betrieb genommen. Das war jener, welcher ein paar Jahre später im November 1918 mit den bekannten  – allerdings historisch nicht belegten – Worten “Nu machd doch eiern Drägg alleene.” abgetreten ist.

Die Lehnmühler Talsperre wurde übrigens 1927 bis 1931 errichtet.

Hans Poelzig

Vom Architekten Hans Poelzig (1869-1936) stammt der architektonische Entwurf für das Bauwerk. Kennen Sie den Mosaikbrunnen im Großen Garten in Dresden? Der stammt – neben vielen Industrie- und Gewerbebauten – ebenfalls von ihm. Außerdem wurde er als Bühnenbildner, Filmarchitekt und Maler bekannt. Die Oberschule in Klingenberg trägt heute ihm zu Ehren seinen Namen und ein Rundwanderweg an der Talsperre ist Poelzig gewidmet.

Sanierung der Talsperre

Von 2005 bis 2013 wurden die Staumauer und die Vorsperre saniert. Einmal war die Talsperre bald 100 Jahre in Betrieb und nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand. Das verheerende Augusthochwasser von 2002 hatte außerdem an der Vorsperre und der Hochwasserentlastungsanlage für große Schäden gesorgt. Damals kam deutlich mehr Wasser die Wilde Weißeritz herunter als man sich das beim Bau vorstellen konnte und die Talsperre lief unkontrolliert über.

Für die Sanierung wurde das Wasser von 2009 bis 2012 komplett abgelassen.

Wanderung um die Talsperre

Auf dem Weg zur Vorsperre durchquert man die Holzmüllerbucht, irgendwo muss hier mal eine Mühle gestanden haben, welche jetzt unter Wasser verschwunden ist. Am Wegesrand findet der botanisch Interessierte Aronstab, Haselwurz, Milzkraut, Schuppenwurz, Rote Lichtnelke, Akeleiblättrige Wiesenraute, BärlauchMaiglöckchen, Weißwurz, Zweiblättriges Schattenblümchen, große Bestände Silberblatt u.v.m..

In den Nistkästen und Baumhöhlen hört man (Mitte Mai) die Jungvögel spektakeln.

Später erreicht man die neu erbaute Vorsperre. Hier fallen der Beinwellbestand am Treibmaterial-Abfang auf und die gerade blühenden Ginster direkt an der Vorsperre. Über deren Mauer kann man jetzt etwas abkürzen oder man wandert noch 2 Kilometer um die Vorsperre herum.

Am etwas sonnenbegünstigteren östlichen Ufer ändert sich die Vegetation, es wachsen jetzt mehr Eichen statt Buchen, wenn man von den Fichtenaufforstungen mal absieht. Die Wedel der Adlerfarne fangen an sich zu entrollen und die Maiglöckchen zeigen die ersten Blüten.

Wieder zurück an der sanierten Staumauer

Nachdem wir am Anfang der Wanderung kurz vorm Erreichen der Staumauer abgebogen sind, gibt es zunächst einen Abstecher auf die 310 Meter lange Mauerkrone. Speziell der Aufbau in der Mitte inklusive der Aussichtsplattform sind einen Blick wert. Nun sehen wir auch das Wasserwerk und das Wasserkraftwerk unten im Tal.

Dann geht es auf dem schon erwähnten Hans-Poelzig-Rundwanderweg Richtung Tal und Straße. Von einem Aussichtspunkt aus hat der Wanderer einen schönen Blick auf die Landseite der Staumauer und die Kaskaden der Hochwasserentlastung. Während die Staumauer wasserseits eine moderne Betonschale bekommen hat, sind die Landseite in ihrer Bruchsteinoptik und die Mauerkrone denkmalgerecht saniert worden und sehen aus wie zu Poelzigs Zeiten.

Rast- und Einkehrmöglichkeiten

Für den erschöpften Wanderer gibt es an den beiden Seiten der Staumauer Einkehrmöglichkeiten. Einmal die Gaststätte (und Hotel) Lindenhof und auf der anderen Seite die Waldschänke. Dorthin muss man noch ein kurzes Stück bergan laufen, aber nach der kompletten Talsperrenrunde wird es an ein paar weiteren Schritten sicher nicht scheitern.

Wer auf der Wanderung von schlechtem Wetter überrascht wird, hat keine guten Karten. Es gibt nur eine überdachte Sitzmöglichkeit in der Holzmüllerbucht. Ansonsten sind findet man verstreut an beiden Ufern Bänke für eine kleine Rast.

Die Gesamtlänge der Wanderung beträgt 13,5 bis 14 Kilometer (ohne Vorsperre).

Karte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
GPS-Daten Wanderung downloaden

Wanderung um die Talsperre Klingenberg
Markiert in: