Einheimische Blattformen

Die Form und Anordnung der Blätter eines Baumes oder Strauchs sind wichtige Merkmale zur Unterscheidung der verschiedenen Arten.

Speziell für Laien ist es sicher die einfachste und am meisten genutzte Methode, um ein Gehölz zu bestimmen.

Diese Seiten sollen hierfür eine kleine Hilfestellung geben, können aber keine Bestimmungsliteratur ersetzen. Sie sollen aber als Erste Hilfe bei einer einfachen Bestimmung helfen oder wenn man sich einen schnellen Überblick über die wichtigsten heimischen Blattformen verschaffen möchte.

Blätter der Schwarz-Erle: rundlich, eiförmig-rundlich, im Umriss breit keilförmig oder verkehrt eiförmig?
Blätter der Schwarz-Erle: rundlich, eiförmig-rundlich, im Umriss breit keilförmig oder verkehrt eiförmig?

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”
keine alte chinesische Weisheit [1]

Diese Blattsammlung wird nie vollständig sein, aber wenigstens eine repräsentative Auswahl an heimischen Gehölzen zeigen. Weiterhin sind auch nichtheimische Arten vertreten, welche in unseren Gefilden forstliche oder gärtnerische Verwendung finden. Mal sehen, wie viele Arten im Laufe der Zeit zusammenkommen.

Neue Blätter oder gut gebraucht?

Die Idee für diese “Blattsammlung” kam mir erst im August, deswegen sind die Blätter teilweise beschädigt. Bäume stehen nun mal die ganze Zeit draußen, egal welchem Wind und Wetter sie dabei trotzen müssen. Deswegen haben die abgebildeten Blätter auch Fraßspuren oder andere Beschädigungen. Aber so sehen die Blätter eben nach Monaten des ständigen Gebrauchs aus und werden deshalb in der nächsten Vegetationsperiode wohl auch nicht mehr ausgetauscht.

Entgegen dem Titel dieser Homepage “naturfoto.me” wurden die meisten Blätter nicht fotografiert, sondern gescannt. Wenn möglich wurden sie direkt vom Baum oder Strauch auf den Scanner gelegt. Das geht natürlich nur, wenn der Fundort im heimischen Garten oder nah am Grundstück ist. Bei weiten Wegen wurden sie in einem Buch leicht gepresst und nach Hause transportiert.

Bei einer Scanauflösung von 600dpi sieht man Details, welche zuerst gar keine Beachtung fanden. Beispielsweise, dass man ein Blatt voller winzig kleiner Blattläuse erwischt hat und im Anschluss die verschmierte Scanner-Auflagescheibe putzen darf. Wirklich bemerkenswert, wie viel Leben es auf einem einzelnen Laubblatt gibt!

Blatt des Feldahorns mit Schnecke
Blatt des Feldahorns mit winziger Schnecke

Pilzbefall

Die Blätter der Ahornbäume sind oft von einer Pilzinfektion durch Rhytisma acerinum oder Rhytisma punctatum betroffen. Die Blattkrankheit wird als Teerfleckenkrankheit oder Ahornrunzelschorf bezeichnet.

Die Pilzsporen keimen zuerst auf der Blattunterseite. Die namensgebenden schwarzen Flecken erscheinen später auf der Blattoberseite und sind ein bis zwei cm groß. Da der Pilz im heruntergefallenen Laub überwintert, kann eine Entfernung des Falllaubs Abhilfe schaffen. Allerdings werden die Bäume durch die Teerfleckenkrankheit nicht ernsthaft geschädigt.

Blätter des Berg-Ahorns mit Teerfleckenkrankheit
Blätter des Berg-Ahorns mit Teerfleckenkrankheit

Miniermotten

In Mitteleuropa gibt es ungefähr 100 Arten von Miniermotten. Das sind kleine Schmetterlinge, welche sich in ihrem Larvenstadium (als Raupe) von Laubblättern oder Nadeln ernähren. Durch ihre Fraßtätigkeit legen sie in den befallenen Blättern Gänge (=Minen) an, wodurch die Blätter absterben.

Ein – zumindest durch sein Wirken – bekannter Vertreter ist die Rosskastanienminiermotte. Sie frisst an Blättern der  Gewöhnlichen Rosskastanie. Viele Miniermotten haben sich nämlich auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert. Die Blätter der von der Rosskastanienminiermotte befallenen Bäume sehen schon im Sommer verwelkt aus. Da die welken Blätter keine Photosynthese mehr durchführen können, fehlen dem betroffenen Baum entsprechend Nährstoffe.

Formenvielfalt und Größenunterschiede

Ebenfalls ist erstaunlich, welche Vielfalt an Blattformen es innerhalb einer Art gibt. Bei einigen Arten sieht jedes Blatt eines Zweiges ein wenig anders aus oder unterscheidet sich zum Teil beträchtlich in der Größe. Erinnert spontan es an menschliche Fingerabdrücke, da ist ja auch jeder anders. Auf solche Details achtet man sonst gar nicht.

Die Blätter der  Rot-Eiche in folgendem Beispiel standen fast nebeneinander am Zweig und unterscheiden sich beträchtlich in der Größe. Die Bäume der Gemeinen Esche bilden Blätter aus verschiedenzahligen Einzelblättern aus.

Blätter der Rot-Eiche und der Gemeinen Esche
Blätter der Rot-Eiche und der Gemeinen Esche

Die  Rot-Eiche stammt aus Nordamerika, findet aber in unseren Wäldern als Forstbaum häufige Verwendung.

Nur noch ein paar Grundbegriff klären und es geht los:

Blattstellung und Blattaufbau

Bei gegenständiger Blattstellung entspringen immer zwei gegenüberliegende Blätter an einem Knoten, bei wechselständiger Blattstellung steht an einem Knoten der Sprossachse nur ein Blatt.

Blattstellung gegenständig und wechselständig
Blattstellung gegenständig und wechselständig

Die Blattspreite ist der flächige Teil des Blattes.

Blättersammlungen

Einfache Blätter – gegenständig
Einfache Blätter – wechselständig
Zusammengesetzte Blätter

Hinweis: Der  Ginkgo Ginkgo biloba ist sommergrüner Baum, welcher im Herbst seine Blätter abwirft – so wie sich das gehört. Trotzdem ist er kein “normaler” Laubbaum, sondern der letzte rezente Vertreter der Ordnung Ginkgoales. Man mag es kaum glauben, aber diese Baumart ist mit den Nadelbäumen näher verwandt als mit den Laubbäumen. In der Systematik der Pflanzen ist er unter den Nacktsamern Gymnospermae eingeordnet (siehe Tabelle hier). Um es kurz zu machen: Der Ginkgo steht unter “Einfache Blätter – wechselständig”.

Weitere Fotos

Übersichtsseite Laubgehölze

 Übersichtsseite Nadelhölzer

Symbole

nicht in Europa heimisch

europäische Art, aber nicht in Mitteleuropa heimisch

Quellen

[1] Diese Feststellung ist keine alte chinesische Spruchweisheit, sondern wurde 1921 erstmals in einer Werbezeitschrift niedergeschrieben. Weil es glaubwürdiger klingen sollte, hatte der Autor allerdings damals behauptet, die alten Chinesen hätten’s gesagt.

Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Bild_sagt_mehr_als_tausend_Worte (6.1.2019)

[2] Bruno P. Kremer: Steinbachs Naturführer – Bäume erkennen und bestimmen. Mosaik, 2001

[3] Bruno P. Kremer: Steinbachs Naturführer – Strauchgehölze erkennen und bestimmen. Mosaik, 2002

[4] Gregor Aas, Andreas Riedmiller: GU Naturführer Bäume. Gräfe und Unzer, 1987

[5] Paul Sterry, Bob Press: Bäume. Bassermann, 2000

[6] Wilfried Stichmann: Der große Kosmos Naturführer – Tiere und Pflanzen. Franckh-Kosmos, 1996

[7] Wikipedia