Buntspecht

Wissenschaftlicher Name: Dendrocopos major

Familie: Spechte Picidae

Spechte bewohnen Baumhöhlen, welche sie mit ihren starken meißelförmigen Schnäbeln selbst aushauen. Ihre Füße haben zwei nach vorn und zwei nach hinten gerichtete Zehen. Dadurch – und durch einen kräftigen Stützschwanz – haben die Spechte beim Klettern oder Höhlenmeißeln guten Halt am Baumstamm.

Der seltene Wendehals Jynx torquilla – ebenfalls ein Mitglied der Familie Picidae – fällt etwas aus dem Rahmen. Er hämmert selber keine Baumhöhlen, ist ein Zugvogel, er trommelt und klettert nicht an den Bäumen und er hat auch keinen Stützschwanz. Allerdings ist auch er ein Höhlenbrüter und nutzt dabei auch Höhlen, welche andere Spechte errichtet haben.

Der Buntspecht ist unsere häufigste Spechtart.

Er wird ca. 23 cm groß. Sein Gefieder ist sehr kontrastreich schwarz-weiß gefärbt und er trägt rote Unterschwanzdecken. Auffälliges Merkmal des männlichen Tieres ist ein roter Streifen in seinem Nacken.

Die etwa 30 Zentimeter tiefen Nist- und Schlafhöhlen des Buntspechts werden hauptsächlich vom Männchen „gezimmert“. Es benötigt dafür bis zu drei Wochen. Wenn nach einigen Jahren der Nutzung die Spechthöhlen verlassen werden, dienen sie noch anderen Arten als Unterschlupf, z.B. Fledermäusen, Siebenschläfern oder höhlenbrütenden Vogelarten, wie Meisen oder dem Sperlingskauz. Die Spechte schaffen so eine Lebensgrundlage für andere Tierarten.

Verbreitung und Lebensraum

Der Buntspecht lebt in Europa (mit Ausnahme von Irland, Island und Teilen Skandinaviens), in Teilen Asiens und in Nordwestafrika. Der Buntspecht ist ein Stand- bzw. Strichvogel. Er verbleibt das ganze Jahr in seinem Revier oder dessen unmittelbarer Nachbarschaft. Im Winter streicht er in der Umgebung seines Gebietes umher. Populationen aus Nordeuropa unternehmen in der kalten Jahreszeit manchmal Wanderungen in etwas südlichere Gefilde.

Der Buntspecht ist in allen Wäldern beheimatet. Im Gebirge ist er bis zur Baumgrenze anzutreffen. Sogar innerhalb von Siedlungen kann man ihn in Parkanlagen oder großen Gärten beobachten.

Stimme

Lautes kurzes „Kik“ oder „Gigigigig“. Das „Trommeln“ mit dem Schnabel an Baumstämmen und Ästen dient der Partnersuche und der Revierabgrenzung.

Nahrung

Dank seines kräftigen Schnabels und einer langen klebrigen Zunge kann der Buntspecht Kerbtiere, Raupen und Insektenlarven unter der Rinde von Bäumen herauspicken oder aus Löchern angeln.

Der Buntspecht ist bei der Nahrungswahl sehr vielseitig und ernährt sich auch von Kernen und verschiedenen Sämereien. Speziell im Winter, wenn Insektennahrung nicht mehr richtig satt macht, dienen dem Buntspecht die Samen aus Kiefern- und Fichtenzapfen als Nahrung. Buntspechte bohren aber auch Baumstämme an, um den austretenden Saft zu trinken. Im Winter kommen sie sogar ans Futterhaus.

Die Jungtiere werden von den Altvögeln hauptsächlich mit Insekten und Insektenlarven gefüttert.

Fortpflanzung

Im Januar bis Februar begeben sich die Spechte mit lebhaftem „Trommeln“ auf Partnersuche. Zu dieser Zeit sind sie beim Spazierengehen im Wald nicht zu überhören. Ist die Nisthöhle fertig und bezogen, legt das Buntspechtweibchen 5 bis 6 weiße Eier, welche von beiden Elternvögeln ausgebrütet werden. Den Bau eines Nestes in ihrer Unterkunft sparen sich die Spechte, indem sie Holzspäne vom Höhlenbau in der Höhle belassen. Die Brutzeit beträgt etwa 10 Tage, weitere drei Wochen später sind die Jungvögel flügge und verlassen das Nest.

Vogel des Jahres 1997

Spechte bevorzugen zum Bau ihrer Baumhöhlen tote oder kranke, morsche Bäume. Hierin besteht auch eine Gefährdung ihrer Vorkommen, denn in einem bewirtschafteten und aufgeräumten Forst findet der Buntspecht keine Heimat mehr. Zuerst fehlt dem Specht der alte Baum, um seine Nisthöhle zu bauen. Dann fehlt ihm Nahrung für sich selbst und seinen Nachwuchs, da es im Forst an Totholz mangelt, welches wichtige Lebensgrundlage für unzählige Insekten ist.

alter Baum mit Spechtloch
alter Baum mit Spechtloch

Die Wahl des Buntspechtes zum Vogel des Jahres durch den NABU ist also als ein Appell weg vom maschinengerechten Nadelforst für mehr naturnahe Waldwirtschaft zu verstehen.

Dabei geht es nicht darum, dass alle unsere Wälder nicht mehr bewirtschaftet werden sollen und kein Holz mehr geschlagen werden darf. Es geht um eine Waldbewirtschaftung, welche nicht nur rein finanzielle Interessen am Rohstoff Holz verfolgt, sondern unsere Wälder in ihrer Hauptfunktion als Lebensraum für Pflanzen und Tiere begreift.

Das bedeutet u.a. den Verzicht auf großflächige Kahlschläge und Aufforstung der entstehenden Freiflächen mit monotonen Fichten- oder Kiefernbeständen mit homogener Alterstruktur. In naturnahen Wäldern stehen Bäume verschiedener Arten jeden Alters und jeder Größe bunt beisammen.

Die Fällung von Bäumen erfolgt in kleinen Gruppen oder es werden nur einzelne Bäume entnommen. Das Erntealter wird erhöht und es werden standortheimische Baumarten gefördert. So war die Fläche des heutigen Bundeslandes Sachsen ursprünglich in weiten Teilen mit Laub- und Mischwäldern bewachsen. Heute – nach vielen Jahrhunderten menschlicher Nutzung – beträgt der Anteil der Nadelbäume in sächsischen Wäldern 80 bis 85%.

Weiterhin müssen Höhlen- und Horstbäume erhalten und geschützt werden und der Totholzanteil in unseren Wäldern erhöht werden.

Ein naturnaher Wald ist außerdem weniger anfällig gegenüber Schädlingsbefall und ist stabiler bei Sturmereignissen. Solche Wälder bieten letztlich nicht nur dem Vogel des Jahres 1997 sondern auch vielen anderen Tier- und auch Pflanzenarten einen zum Überleben dringend benötigten Lebensraum an.

Heimische Spechtarten

Weitere heimische Spechtarten sind neben dem Buntspecht Dendrocopos major der

  • Kleinspecht Dendrocopos minor,
  • Mittelspecht Dendrocopos medius,
  • Grünspecht Picus viridis,
  • Grauspecht Picus canus und
  • Schwarzspecht Dryocopus martius.

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