Haussperling

Wissenschaftlicher Name: Passer domesticus

Familie: Sperlinge Passeridae

Der Haussperling oder Spatz ist in ganz Europa mit Ausnahme Islands, Sardiniens (hier Weidensperling Passer hispaniolensis) und einigen Teilen Nordskandinaviens, in NW-Afrika und Asien beheimatet. In weiteren Gebieten wurde er eingebürgert und ist so fast auf der ganzen Welt zu Hause. Der Haussperling gehört zu der Familie der Sperlinge Passeridae innerhalb der Ordnung der Sperlingsvögel Passeriformes.

Der Kulturfolger ist häufig in menschlichen Siedlungsbereichen oder im ländlichen Raum anzutreffen. Als Körnerfresser ist er überall dort vorzufinden, wo Samen von Gräsern oder Getreide erreichbar sind.

Der Haussperling wird etwa 15 cm lang. Sein Gefieder ist ziemlich unauffällig grau-braun gefärbt. Das Männchen ist auf dem Kopf grau gefiedert, der Nacken ist braun und vorn trägt es einen schwarzen Latz. Die Weibchen sind unscheinbarer und weniger kontrastreich gefärbt. Der kräftige Schnabel zeichnet den Spatz als Körnerfresser aus.

Manche Stadtspatzen leben auch als Allesfresser und suchen z.B. an Imbissstand und Bockwurstbude nach herabfallenden Brotkrumen und Speiseresten. Das der typische Stadtvogel dabei oft ohne Scheu vor dem Menschen agiert, brachte ihm wohl die Bezeichnung „Frechspatz“ ein.
Die Brutzeit ist in unseren Breiten von Mitte April bis August. Die Sperlinge haben zwischen zwei bis vier Bruten mit jeweils 4 bis 6 Eiern pro Jahr. Das einfache Nest wird in Baumhöhlen oder Gebäudenischen gebaut. Die Jungvögel werden von den Alttieren nicht mit Körnern, sondern mit tierischer Kost wie Insekten und Raupen gefüttert.

Die geselligen Haussperlinge schließen sich gern zu großen Schwärmen zusammen, u.a. um auf Nahrungssuche zu gehen, was oft mit viel Getschilpe vonstatten geht. Jede Aufregung und Störung quittiert der Schwarm mit lautem Gezeter und Geschimpfe. Abends treffen sich die Sperlinge zum Schlafen. Bei entsprechendem Nahrungs- und Nistplatzangebot brüten sie gern in Kolonien.

Vogel des Jahres 2002

Warum wählte der NABU im Jahr 2002 mit dem Hausspatzen einen richtigen „Allerweltsvogel“ zum Vogel des Jahres? Auf den ersten Blick ist dies bei einem Bestand von wenigen Millionen Brutpaaren in Deutschland nicht einleuchtend. Soll die Tier/Vogel/Blume-Wahl doch auf gefährdete Arten aufmerksam machen. Doch selbst der scheinbar anspruchslose Spatz musste in den letzten Jahren starke Bestandsrückgänge verzeichnen.

Zum einen fehlt ihm durch verbesserte Erntetechniken und dem Rückgang der Kleintierhaltung jede Menge Nahrung. Aber auch die Versiegelung von Brachflächen, auf denen Wildkräuter noch bis zur Samenreife gedeihen konnten, bedeuten weniger Nahrungsangebot. Nach Gebäudesanierungen fehlen den Haussperlingen Nischen oder Spalten im Mauerwerk, in welche sie früher ihre Nester bauen konnten. Doch auch andere Singvögel und Fledermäuse finden nach Baumaßnahmen oft keine Nistmöglichkeiten oder Zugänge zu Schlafplätzen auf Dachböden mehr. Dabei läßt sich – etwas guten Willen vorausgesetzt – bei Gebäudesanierungen die Schaffung von Nisthilfen einplanen. Auch Fassadenbegrünungen schaffen Wohnraum für den Spatz. Letztlich hilft jede Hilfsmaßnahme für den Sperling auch vielen anderen Vogelarten. Durch Flächenversiegelung und übertriebene Ordnungsliebe fehlt dem fälschlicherweise als „Dreckspatz“ diffamierten Vogel mancherorts sogar ein Plätzchen für das Sand- und Staubbad zur Gefiederpflege.

Mit der Wahl des Haussperlings zum Vogel des Jahres wollte der NABU vermutlich auf Tiere aufmerksam machen, welche – oft nur wenig beachtet – in unserer nächsten Umgebung ums tägliche Überleben kämpfen. Doch der Mensch hat sich leider viel zu sehr daran gewöhnt, einzig und allein an seine eigenen Interessen zu denken. So folgten die Mauersegler und Zaunkönige dem Spatzen als neue „Jahresvögel“ nach. Beide Arten sind genauso im menschlichen Siedlungsbereich anzutreffen. Dem Mauersegler kann ebenfalls durch rücksichtsvolle Sanierungsmaßnahmen geholfen werden und dem Zaunkönig kann jeder einzelne Gartenbesitzer durch naturnahes Gärtnern beistehen.

In früheren Zeiten galt der Spatz als Körnerdieb und Schädling. Man hat zwar entgegen einer alten Spruchweisheit zu Folge wahrscheinlich eher nicht „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“, aber verfolgt wurden die kleinen Kerle trotzdem und es gab sogar Prämien für tote Spatzen. Mag sein, dass sein Tschilpen nicht allzu spektakulär ist und die anderen häufigen kleinen Singvögel wie Meisen oder Rotkehlchen etwas auffälliger und bunter gefiedert sind und der Spatz deswegen oft geringgeschätzt wird. Trotzdem sind auch die Haussperlinge Teil des Naturhaushalts und nützliche Helfer im Garten. Sie ernähren ihre Jungen mit Insekten und Raupen, also mit etwas, was der Mensch in seinem Kosten-/Nutzen-Denken so gern als „Schädling“ einstuft.

Erst wenn der letzte Spatz verstummt wäre, würden wir wohl merken, dass uns das fröhliche Tschilpen in unseren Siedlungen fehlen würde.

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