Eurasischer Luchs

Wissenschaftlicher Name: Lynx lynx

Familie: Katzen Felidae

Luchse erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 130cm, eine Schulterhöhe von 50 bis 75 cm und ein Gewicht von bis zu 30 kg.

Die Fellfarbe ist regional abhängig und kann stark variieren, ebenfalls die Ausprägung und Größe der Flecken. So gibt es neben Tieren mit kleinen oder großen Tupfern (siehe Foto) auch noch fast ungefleckte Luchse. Die Spitze des kurzen Schwanzes ist schwarz gefärbt. Ein auffälliges Merkmal der hochbeinigen Katzen sind die dreieckigen Pinselohren.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Luchses reicht von Westeuropa bis Sibirien. In weiten Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebietes hat der Mensch den Luchs aber ausgerottet. Als Beutekonkurrent der Jäger und als Raubtier, welches Weidetieren gefährlich werden kann, wurde er jahrhundertelang verfolgt. Dieses Schicksal teilte er mit den anderen zwei Großraubtieren Europas, dem Bären und dem Wolf. Der Fuchs, welcher nun das letztverbliebene weiträumig verbreitete große Raubtier ist, wird noch heute gnadenlos verfolgt.

Der Luchs wurde in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Die heute in Deutschland lebenden Luchse sind entweder aus dem Ausland wieder eingewandert oder stammen aus Auswilderungsprojekten (z.B. Einwanderung von Luchsen aus dem Böhmerwald in den Bayrischen Wald, aus der Schweiz in den Schwarzwald, aus den Vogesen in den Pfälzer Wald, Auswilderungsprojekt im Nationalpark Harz).

Lebensweise

Die Katzen leben in großflächigen Waldgebieten in denen sie genügend Deckung und Nahrung finden. Die Luchse sind nicht besonders kontaktfreudig und leben als Einzelgänger. Die Kater benötigen – in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot – Reviergrößen von bis zu 300 Quadratkilometern, Luchsinnen begnügen sich mit bis zu 100 Quadratkilometern. Luchse waren also schon immer seltene Tiere, auch wenn sie nicht wie früher durch gezielte Verfolgung oder heutzutage durch Straßenverkehr, zersiedelte Landschaften oder illegale Abschüsse in ihrem Bestand dezimiert würden. Die Reviere der Männchen können sich mit den kleineren Revieren der Weibchen überlappen, aber gleichgeschlechtliche adulte Tiere duldet ein Luchs nicht.

Die Paarungszeit ist im Frühjahr, die ein bis drei (max. 6) Jungen kommen nach einer Tragzeit von etwa 10 Wochen zur Welt. Als Kinderstube dienen anfangs Höhlen, Baumhöhlen, umgestürzte Bäume oder andere natürliche Verstecke. Die Aufzucht der Kleinen ist bei Familie Luchs alleinige Sache des Muttertieres. Die Jungluchse bilden mit dem Muttertier ein Jahr lang eine Familie, danach müssen sie sich eigene Reviere suchen.

Ernährung

Auf dem Speiseplan der Miezen stehen hauptsächlich kleine Huftiere wie Rehe und Gämsen, seltener auch kleinere Tiere wie Mäuse oder Hasen. Ein ganzes Reh kann der selbst etwa rehgroße Luchs natürlich nicht auf einmal fressen. Hat er ein größeres Tier erlegt, kehrt er in den darauffolgenden Tagen mehrmals zu dem Riss zurück, um die Beute bis auf Knochen, Kopf, Eingeweide und Fell zu nutzen. Für Menschen ist der Luchs ungefährlich. Im Normalfall wird man niemals eines dieser scheuen Tiere im Wald sehen können.

Bei der Jagd helfen dem Luchs seine sprichwörtlichen scharfen Sinne: Er kann ausgezeichnet hören und hat „Augen wie ein Luchs“. Luchse hetzen ihre Beute nicht. Haben Sie sich weit genug an ein Opfer angeschlichen, starten sie ihren Überraschungsangriff. Mit wenigen Sprüngen erreichen sie das Beutetier und töten es durch einen Kehlbiss. Ungeschützte Weidetiere wie Schafe oder Ziegen können ebenfalls eine willkommene, weil leichte Beute sein. Pro Nacht wandert der Luchs bis zu 20 Kilometer.

Gefährdung

Offene ausgeräumte Landschaften meiden sie, was einer Zuwanderung oder Wiederausbreitung von Luchsen in vielen Gegenden entgegensteht. Offene Gebiete und unzählige Verkehrswege stellen unüberwindbare Barrieren auf dem Weg in geeignete Lebensräume dar. Auch wenn Tiere in taugliche verinselte Lebensräume ausgewildert würden, wären Wanderungskorridore notwendig, damit ein Gen-Austausch zu anderen Population möglich ist. Wenn Biotope mit solchen Korridoren, mit Grünbrücken oder anderen Querungshilfen verbunden werden, können sicher auch viele andere Tierarten davon profitieren.

Auch der hohe Platzbedarf von Luchsen mit Reviergrößen bis 300 Quadratkilometern ist problematisch: Die Zahl der großräumig unzerschnittenen Räume mit einer Mindestgröße von 100 km2 ist in Deutschland im Zeitraum von 1977 bis 1999 von 349 auf 225 zurückgegangen [Bundesamt für Naturschutz 1999]. Das Bedürfnis (oder der Wahn) unserer Gesellschaft nach Mobilität zerschneidet unsere Landschaft durch den Bau von Strassen und Bahntrassen in bisher ungekanntem Maße. Jeden Tag wird in Deutschland eine Fläche von 130 Hektar in Verkehrs-, Wohn- oder Gewerbefläche umgewandelt. Der Lebensraum für wildlebende Tiere und Pflanzen, ohnehin eine knappe Ressource, wird kleiner und kleiner, die Landschaft immer stärker zerschnitten.

Weitere Luchsarten

Der Pardelluchs Lynx pardinus bewohnt Teile der Iberischen Halbinsel. Er ist etwas kleiner als „unser“ Luchs und seine Hauptnahrung sind Kaninchen. Um die Katzenart ist es schlecht bestellt, auch ihrer Population wird durch Lebensraumzerstörung und Verkehr zugesetzt. Doch zusätzlich haben sich die Bestände von Wildkaninchen in letzter Zeit stark verkleinert.

In Nordamerika sind der Kanadische Luchs Lynx canadensis und der Rotluchs Lynx rufus beheimatet.

Siehe auch: Tarnung, Mimikry und Mimese oder länger leben durch perfekte Täuschung

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