Unterwegs im Triebischtal bei Blankenstein

Startpunkt der Wanderung ist der Parkplatz an der Kirche in Blankenstein.

Die Kirche und das Friedhofsareal mit seinen alten Bäumen sind ein echtes Schmuckstück. Vorm Tor zur Kirche steht die sogenannte Luthereiche. Eine Gedenktafel verrät, dass der Baum 1817 zu Ehren des 300. Jahrestages der Reformation gepflanzt wurde. Der Baum hatte also gerade erst seinen 200. Geburtstag, als Eichenbaum ist er damit noch in seiner Jugend.

An einem ebenso stattlichen altgedienten Lindenbaum kommen wir gleich noch am anderen Ende der Friedhofsmauer vorbei.
Die Friedhofsmauer bietet aber schon die erste botanische Besonderheit. Es ist nicht das Schöllkraut, welches sich mit seinen gelben Blüten hervor tut, sondern ein eher unscheinbarer kleiner Farn – die Mauerraute, welche sich in den Ritzen zwischen den Steinen wohlfühlt.

Bevor es den Schlossberg hinunter geht, werfen wir noch einen Blick von der Aussichtsplattform ins Triebischtal hinunter.

Am Schlossberg

Vorm Wegeinstieg nach unten finden wir verblühten Hohlen Lerchensporn.

Unter Ahornen, Hainbuchen, Eichen und Buchen schauen Goldnessel, Frühlingsplatterbse, Aronstab und Schuppenwurz aus dem mit Efeu bedeckten Boden. Einige wenige Maiglöckchen tragen erste Blüten, von der Schwalbenwurz ist frischer Austrieb zu finden.

Eine Pinge im oberen Bereich zeugt von früheren bergbaulichen Aktivitäten. Eine Pinge (oder auch Binge) entsteht durch den Einbruch eines knapp unter der Erdoberfläche geschaffenen Hohlraums.

So hat also auch das Tal der Triebisch hat seine Bergbautradition, wie es sich für die Umgebung von Freiberg gehört. Hier wurde allerdings nicht nach Silber gegraben, sondern Kalk und Marmor abgebaut. Früher gab es mehrere kleine Bergwerke und Kalköfen.

Das kalkliebende Leberblümchen hat dadurch hier seine Chance. Ansonsten ist es im Freiberger Umland sehr selten. Die Leberblümchen sind wie die vielen Busch-Windröschen längst verblüht, verraten sich aber durch frisch ausgetriebene grüne Blätter.

Das Leberblümchen ist eine kleine mehrjährige Pflanze, welches etwa 10 bis 15 Zentimeter hoch wächst und dreilappige Blätter trägt, welche zum Teil den Winter überdauern oder aber erst nach der Blüte erscheinen.

Die Blütezeit ist von März bis April. Es ist nicht mit anderen Blumen zu verwechseln, durch seine charakteristische Blattform ist es selbst nichtblühend für Laien leicht zu erkennen. Entsprechend der Signaturenlehre wurde es früher bei Nieren- und Gallenleiden eingesetzt. Die Blattform soll an eine Leber erinnern und deswegen dachte man im Mittelalter, dass die Pflanze bei entsprechenden Leiden hilft.

Ein weiteres wichtiges Vorkommen der Pflanze gibt es im Striegistal:

 Osterspaziergang an der Großen und Kleinen Striegis bei Berbersdorf

Das Areal ist als FND “Schloßberg Blankenstein” geschützt.

Triebisch

Am Ende des Abstiegs sind wir direkt an der Triebisch angekommen.

Die Triebisch entspringt etwa 12 Kilometer weiter südöstlich im Tharandter Wald zwischen Grillenburg und Klingenberg. In Meißen fließt sie nach 37 Kilometern in die Elbe.

Schema des Flusssystems der Großen Striegis [1]
Schema des Flusssystems der Großen Striegis [1]
Hier unten gibt es einen überdachten Rastplatz, den brauchen wir aber noch nicht. Vorerst geht es links der Straße entlang. In Flußnähe blüht der erste Bärlauch und die Aronstäbe zeigen hier unten erste offene Blüten.

An einem Mundloch des Faustschen Bergwerks blüht ein größerer Bestand der Echten Sternmiere.

Die jungen Kastanien, welche längs der Straße als Alleebäume gepflanzt wurden, beginnen gerade zu blühen. An der Kreuzung biegen wir nach rechts zur Krillemühle ab.

Krillemühle bis Dietrichmühle

Wir gehen links an Gebäuden der Mühle vorbei. Die Krillemühle war früher ein Ferienlager, dann Pension und Gaststätte. Jetzt hat sie wohl dauerhaft geschlossen?

Ein schmaler Bach plätschert neben dem Weg, er ist ein kurzes Stück unser Begleiter. Die Triebisch beschreibt derweil einen weiten Bogen und fließt jetzt auf der gegenüberliegenden Talseite.

Der Wanderweg am Hang ist botanisch nicht mehr so spektakulär, dafür singen Vögel eifrig in den Bäumen. Aufpassen lohnt sich aber trotzdem, sonst verpasst man die Süße Wolfsmilch, Vielblütige Weißwurz, Gefleckte Taubnessel, Haselwurz und Baldrian. Später kehrt die Triebisch zurück.

Die kleinen Felsen am linken Hang sind einen Blick wert, sie beherbergen Nördlichen Streifenfarn und Braunstieligen Streifenfarn. Auf einer Feuchtwiese blühen die Sumpfdotterblumen in intensivem Gelb.

Wir schauen links in ein ruhiges schattiges Nebental mit einem kleinen Bach. Hier finden wir Zweiblättriges Schattenblümchen und ein paar nennenswerte Flecken Wald-Sauerklee inmitten von Teppichen aus Busch-Windröschen.

Optional könnte man eine Runde um die Dietrichmühle laufen, wir kehren aber zurück. In der Nähe der Dietrichmühle gibt es einen alten Kalkofen, welche bis etwa 1910 noch in Betrieb war (siehe Karte).

Zurück zum Schlossberg

Neben den vielfältigen “Angebot” an floristischen Elementen, hat auch die Fauna etwas zu bieten.

Eine Weinbergschnecke “eilt” todesmutig über den Weg. Ich nehme ihr ein Stück der Strecke ab und setze sie sicherheitshalber am Rand ab. Bei den fast sommerlich anmutenden Temperaturen sind heute viele Wanderer unterwegs.

Später scheuchen Reiter einen Schwarzstorch auf. Der schraubt sich in der Thermik empor und dreht ein paar Runden über dem Tal. Später erschreckt uns ein lautes Rascheln im trockenen Laub direkt am Wegesrand. Ein Prachtexemplar von Ringelnatter hat sich mindestens ebenso erschreckt wie wir. So musste sie jetzt ihr Sonnenbad unterbrechen und im Graben neben dem Weg abtauchen.

Laut Wikipedia werden die heimischen Ringelnattermännchen bis 75 cm lang, die Weibchen werden deutlich größer und erreichen 85 bis 152 cm, wobei Exemplare größer 110 cm sehr selten wären. [2]

Unsere Ringelnatter schätzte ich auf reichlich einen Meter Körperlänge. Also vermutlich ein Weibchen und recht stattlich.

Die Ringelnattern sind an ihren hellen halbmondförmigen Nackenflecken gut zu erkennen. In Deutschland ist sie die häufigste Schlangenart. Sie ist in Europa bis auf die nördlichen Regionen heimisch. Ihr Verbreitungsareal reicht weit bis nach Asien hinein. Für Menschen ist die Natter ungefährlich, in acht nehmen sollten sich aber Kröten, Frösche, deren Kaulquappen, Eidechsen, kleine Fische oder Mäuse.

Der gelbe Puderstaub auf dem Ringelnatterfoto ist Blütenstaub (Pollen) insbesondere der Fichten, welche dieses Jahr besonders stark blühen. Dieser Effekt eines Mastjahres tritt zyklisch auf und wiederholt sich aller vier bis zehn Jahre. Nach dem kalten Märzwetter blieben viele Pflanzen in Wartestellung. Mit dem sich anschließenden besonders warmen Wetter der letzten Wochen blühen jetzt viele Pflanzen auf einmal, was sich ansonsten zeitlich gestreckt hätte. Wer einen Blick in die Höhe riskiert, wird die vielen (männlichen) Blüten und leuchtend roten (weiblichen) Zapfen sehen. (siehe auch Gemeine Fichte)

Letztlich sind wir wieder am Schlossberg, den wir nur passieren. Den Aufstieg heben wir uns für später auf.

Schönbergscher Stolln

Der Schönbergsche Stolln ist ein weiterer Zeuge des Kalkabbaus im Triebischtal. Er wurde 1850 angelegt. Eine Infotafel verrät, dass in ihm sogar mal nach dem Bernsteinzimmer gesucht wurde. Erstaunlich wo das Ding schon überall versteckt sein sollte!

Der Stolln dient heute wie viele andere im Freiberger Revier als Fledermausquartier. Tief im Innern der alten Bergbauanlagen ist ein relativ konstantes Klima und das ermöglicht den Flattertieren zum Teil auch die Überwinterung.

Richtung Neutanneberg flussabwärts

Wer botanisch interessiert und aufmerksam ist, findet bald eine weitere Stelle mit Leberblümchen, Wald-Bingelkraut, Lungenkraut, Frühlings-Platterbse, Waldgeißbart und Vielblütiger Weißwurz.

Als es wieder mal im Gebüsch knistert, ist es diesmal “nur” ein Geocacher, welcher mit GPS-Gerät bewaffnet auf der Suche nach verborgenen Schätzen ist. Es kommt zu einem kurzen Erfahrungsaustausch. Wir sind leider keine große Hilfe. Der Herr Geocacher erfährt dafür, dass hier seltene Pflanzen wachsen und weiß jetzt wie eine blühende Frühlings-Platterbse aussieht.

Im Gegenzug kennen wir jetzt den hiesigen Geocache, welcher letztlich gefunden werden konnte. Wirklich sehr schön gestaltet, wir sollen aber nichts verraten. Da wäre ja die Überraschung futsch!

Ich behaupte mal, es war dieses Versteck:
 https://www.geocaching.com/geocache/GC7M5JN_zwerg-lesekus

Bald nähern wir uns Neutanneberg, müssen ein kurzes Stück Straße laufen, überqueren den Fluss und der Wanderweg bringt uns an einem Teich vorbei. Hier wird gerade ein Froschkonzert geboten, aber die Annäherung von Wanderern führt schließlich zu einem beleidigtem Schweigen der Amphibien. Die Kaulquappen sind umso aktiver und wuseln am sonnigen Ufer.

Im Tanneberger Loch

Seit einer Weile hören wir in der Ferne den Verkehrslärm der A4. Im Vergleich zu früher ist es hier und jetzt geradezu idyllisch ruhig.

Als die Autobahn in den 1930ern gebaut wurde, sparte man sich eine Brücke, welche das Tal der Triebisch überspannen konnte. Die heutige A4 verlief damals in weiten Kurven ins Tal der Triebisch hinab und wieder hinauf. Das ging auch jahrzehntelang gut, da die Anzahl der täglich hindurchfahrenden Autos und Lkw überschaubar blieb.

Mit der Wende stieg in den 1990er Jahre der Verkehr stark an und das berüchtigte „Tanneberger Loch“ wurde zur Stau- und Unfallquelle. Die kurvenreiche Strecke mit ihren steilen Anstiegen konnte das aktuelle Verkehrsaufkommen nicht mehr bewältigen.

Im Jahr 1999 wurde dann die neugebaute Teilstrecke in Betrieb genommen. „Herzstück“ ist die 427 Meter lange und 50 Meter hohe Triebischtalbrücke.

Der alte Autobahnabschnitt wurde in Rente geschickt und komplett zurückgebaut. Das kann man sich kaum noch vorstellen, dass hier unten zuletzt bis zu 66000 Autos am Tag durchrauschten, wenn man jetzt an der gemütlich dahinfließenden Triebisch steht. Die Natur hat sich die Fläche erstaunlich schnell wieder einverleibt. Auf der ehemaligen Trasse fehlen aber die hohen Bäume und im Bodenprofil kann man den Verlauf noch wiedererkennen. Auch im Luftbild in Google Maps erahnt man noch die alte Strecke.

Zum Rothschönberger Stolln

Zuletzt im März 2016 sind wir unter der Autobahn hindurch bis zum Hauptmundloch des Rothschönbergers Stolln gewandert (siehe Fotos). Heute drehen wir aber schon um. Trotzdem soll dieser Bergbauzeuge als lohnendes Wanderziel erwähnt werden.

Wasser spielte im Bergbau eine große Rolle als Antriebsenergie. Es ist preiswert und praktisch immer vorhanden. Selbst nach der Erfindung der Dampfmaschine blieb es Hauptantriebskraft. Klar, man musste keine Kohlen schleppen und bezahlen, und ein Wasserrad unten in der Grube läuft völlig abgasfrei – wie praktisch.

Wenn das Wasser allerdings seine Funktion erfüllt hat, ist es irgendwie im Weg. Also musste ein Stolln gebaut werden, der nur den Zweck hatte, das Wasser aus den Grubenbauen des Brander und Freiberger Reviers wegzuschaffen.

Der Stolln wurde in den Jahren 1844 bis 1877 errichtet. Als man die letzten Arbeiten 1882 mit dem Anschluss der Himmelsfürster Grube beendet hatte, befand sich der Freiberger Silberbergbau schon in seinem Niedergang.

Die Gesamtlänge des Stolln beträgt 50,9 Kilometer.

Wenn man am Portal die Ohren an die Tür hält, hört man deutlich das Rauschen des Freiberger Grubenwassers. Wer dieses Wasser auch sehen will, muss noch einen knappen Kilometer weiterwandern. Zuerst unterquert der Stolln die Triebisch noch einmal (hier ist sie zum Einleiten noch zu hoch), um dann später am Röschenmundloch in die Triebisch zu gelangen.

Zurück nach Blankenstein

Der Rückweg führt über einen sonnenbeschienenen Hang auf der Osttseite des Tales zurück. Unter Eichen blühen die ersten Blaubeeren und Maiglöckchen. Der Adlerfarn beginnt auszutreiben.

Ein Nachteil der Wanderstrecke ist, dass sie nur teilweise einen Rundweg bildet. Einige Teilstrecken mussten wir doppelt laufen. Allerdings empfanden wir das angesichts des schönen Tales nicht als störend. Am Parkplatz steht eine große Infotafel für Ortsunkundige ohne Karte, GPS oder Handy. Unterwegs gibt es Hinweisschilder über die bergbauliche Vergangenheit der Umgebung und Tafeln des Geologischen Wanderweges Oberes Triebischtal. So erfährt der geneigte Infotafelleser, dass wir uns im Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge befinden.

Fotos

Die gezeigten Fotos stammen zwar auch von älteren Wanderungen, sind aber alle an den jeweils genannten Orten aufgenommen worden.

Karte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
GPS-Daten Wanderung downloaden

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Triebisch

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Ringelnatter

Unterwegs im Triebischtal bei Blankenstein
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