Wanderung vom Brocken nach Wernigerode

Während des Hochwassers musste der Bahnbetrieb der Brockenbahn eingestellt werden. Doch heute früh hörte man im Hotel das Tuten einer Dampflok in der Ferne. Sie fährt also wieder! Es sind glücklicherweise also keine schlimmen Schäden an der Strecke entstanden.

Brockenbahn

Die Brockenbahn ist ein Teil der Harzer Schmalspurbahnen GmbH. Zu ihr gehören Harzquerbahn, Selketalbahn sowie die Brockenbahn. Das Streckennetz umfasst in Summe 140 Kilometer mit einer Spurweite von 1000mm. Mit u.a. 25 Dampflokomotiven werden jedes Jahr über eine Million Fahrgäste befördert!

Die Teilstrecke von Wernigerode nach Schierke wurde 1898 freigegeben und ein Jahr später wurde die Strecke von Schierke bis zum Brocken eröffnet. Mit dem Mauerbau 1961 wurde Brockenstrecke ab Schierke für Passagiere gesperrt, es gab aber noch Güterverkehr bis zum Gipfel. Seit Sommer 1992 gibt es wieder einen fahrplanmäßigen Personenverkehr bis ganz nach oben. [1]

Die Fahrt vom Hauptbahnhof in Wernigerode bis zum Brocken dauert rund eine und eine Dreiviertelstunde. Die Stationen sind: Wernigerode -> Wernigerode Westerntor -> Wernigerode Hochschule -> Wernigerode Hasserode -> Steinerne Renne -> Drei Annen Hohne -> Schierke -> Brocken.

Brockenbahn fährt im Bahnhof ein
Brockenbahn fährt im Bahnhof Westerntor ein

Auf der Fahrt kann man einen herrlichen Ausblick auf den Nationalpark und sein Umland genießen.

Das letzte Teilstück ist für die kleine Bahn das anstrengendste, von Schierke bis zum Brockenbahnhof müssen 440 Höhenmeter überwunden werden. Nach einer kompletten Runde um den Gipfel fährt der Dampfzug in den Brockenbahnhof auf 1125 Metern Höhe ein.  Er ist der höchstgelegene Bahnhof in Deutschland der von einer reinen Adhäsionsbahn angefahren wird. D.h., dass die Antriebskraft im Gegensatz zu einer Zahnradbahn oder Standseilbahn ausschließlich durch die Haftreibung der Räder auf der Schiene übertragen wird.

Brocken

Der Brocken ist der höchste Berg des Harzes und die höchste Erhebung in Norddeutschland. Am Brocken haben die Ecker, Bode (Kalte Bode) und Ilse ihre Quellgebiete.

Der Berg ist 1141m hoch. In alter Literatur ist die Höhe oft mit 1142m angegeben. Das wird auf dem Gipfelstein nochmal deutlich gemacht. Ohne diese „Hilfe“ ist bei 1141m Schluss.

Rund um den Gipfelstein liegen Metallplatten im Boden. Die sogenannte Brockenuhr zeigt die Entfernung zu markanten Orten und Landmarken in nah und fern. Wenn man sie denn sehen kann. Der Wetterstatistik nach gibt es rund 300 Nebeltage pro Jahr. Die Meteorologen sprechen allerdings schon von Nebeltag, wenn die Sichtweite kurzzeitig  unter einen Kilometer fällt. Trotz alledem ist hier oben einer der nebelreichsten Orte Deutschlands. [2]

Der Gipfel des Brockens liegt als einziger deutscher Mittelgebirgsberg oberhalb der natürlichen Baumgrenze. Das verwundert zunächst, da der Berg nicht besonders hoch ist. Dafür hat er aber eine sehr exponierte Lage, welche ihn oft zu einem nassen und stürmischen Ort macht.

Wem dieses nicht bewusst war, der merkt es schnell, wenn er in sommerlicher Kleidung aus der Brockenbahn steigt, während die meisten Passagiere erstmal ihre Windjacken aus den Taschen und Rucksäcken holen. Die Jahresdurchschnittstemperatur auf dem Brocken beträgt laut Wikipedia 5,6°C, unten in Wernigerode ist sie 13,6°C. Jetzt – im Juli – ist der Unterschied 13°C zu 24°C.

Brockenhaus und Wolkenhäuschen

Im Brockenhaus gibt es ein Museum rund um die Geschichte und Natur des Berges und eine Station der Bergwacht.

Weitere Gebäude sind ein Sendemast mit Technikgebäude, ein Hotel, die Wetterwarte, der Brockenwirt am Bahnhof und das Wolkenhäuschen.

Dieses ist das erste bekannte Bauwerk auf dem Brockengipfel und wurde 1736 errichtet. Heute steht es unter Denkmalschutz. Schon erstaunlich, dass das kleine Häuschen all die Jahrhunderte und selbst die Zeit der militärischen Nutzung des Brockengipfels überstand.

Brockengarten

Seit 1890 gibt es einen kleinen Botanischen Garten, welcher heute etwa 1600 unterschiedliche Pflanzenarten beherbergt [3].

Hier gedeihen Pflanzen, welche im „normalen“ Gebirge erst ein paar hundert Meter höher gedeihen und Wildblumen, die in Norddeutschland nur im Gebiet des Brockens vorkommen.

Das sind u.a. die Kleine Alpen-Kuhschelle Pulsatilla alpina subsp. alba (auch Brockenanemone), Schwärzliches Habichtskraut Hieracium negrescens (auch Brocken-Habichtskraut) und das Alpen-Habichtskraut Hieracium alpinum.

Es werden Pflanzen aus den Hochgebirgen der ganzen Welt gezeigt, mein persönlicher Favorit ist Darwins Pantoffelblume aus Patagonien.

Der Garten hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Während der beiden Weltkriege und während der Zeit als der Berg militärisches Sperrgebiet war, konnte der Garten nicht gepflegt werden und verfiel. Nach der politischen Wende konnten nicht mal mehr einhundert von ehemals rund anderthalbtausend Arten wiedergefunden werden.

Die vergangenen schlechten Zeiten sieht man dem Garten heute nicht mehr an, für jeden botanikinteressierten Gipfelbesucher gehört der Brockengarten zum Pflichtprogramm. Allerdings ist der Eintritt nur im Rahmen einer Führung möglich (aktuell 2 Termine am Tag, Treff ist am Eingang zur Wetterwarte).

Hexenaltar und Teufelskanzel

Auf dem Brockenrundweg erreichen wir zwei Granitklippen – den Hexenaltar und die Teufelskanzel. Wir sind schließlich auf dem Blocksberg, dem Versammlungsplatz Nummer 1 für Hexen.

So war es auch zur Walpurgisnacht, wie sie in Goethes Faust beschrieben wird:

„Die Hexen zu dem Brocken ziehn

Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün

Dort sammelt sich der große Hauf

Herr Urian sitzt oben auf.

Es schweigt der Wind, es flieht der Stern,

Der trübe Mond verbirgt sich gern.

Das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt!

Ein wahres Hexenelement!

Der ganze Strudel strebt nach oben;

Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben.“

Johann Wolfgang von Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil

Goethe-Weg

Johann Wolfgang von Goethe wanderte im Dezember 1777 mit einem ansässigen Förster durch den tiefen Schnee hinauf den Brocken. Er kam damals aus Richtung Torfhaus. Den Weg seines genauen Aufstiegs kennt man allerdings nicht, der Dichterfürst hinterließ uns keine GPS-Daten und den prächtig ausgebauten Wanderweg gab es damals noch nicht.

Ihm zu Ehren gibt es aber heute besagten Goethe-Weg, welcher mit 8km Länge von Torfhaus zum Brockengipfel führt und seine damalige Wegstrecke nachzuempfinden versucht. Insgesamt war Goethe dreimal auf dem Brocken zu Besuch. Der Berg muss ihn sehr fasziniert haben und so wurde der Brocken/ Blocksberg zu einem Teil der großen Weltliteratur.

Wenn wir einmal bei den großen deutschen Dichtern sind: Auch Heine war hier oben, mehr dazu siehe hier.

Abstieg über Brockenstraße

Nach einer Runde auf dem Gipfelrundweg laufen wir die Brockenstraße hinab. Diese Straße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, verläuft sie doch mitten durch den Nationalpark. Passen Sie aber auf die Radfahrer auf, welche teilweise mit einem Affenzahn ins Tal preschen. Schön zu beobachten ist die unterschiedliche Mimik der nach oben fahrenden Pedalritter in Abhängigkeit vom Antrieb: Muskelkraft oder e-Bike.

Während der Eisenbahnfahrt und jetzt auf dem ersten Stück des Abstiegs sehen wir viele abgestorbene Fichten. Das ist auf den ersten Blick ein erschreckender Anblick. Das ist nicht die Waldidylle, die sich vermutlich die meisten Besucher versprochen haben.

Das war das Werk des Borkenkäfers (Großer Achtzähniger Fichtenborkenkäfer oder Buchdrucker Ips typographus). In einem normalen Wirtschaftswald kämen sofort Motorsäge und Lockstofffallen zum Einsatz, das tote Holz würde beräumt werden. Hier im Kerngebiet des Nationalparks werden die Borkenkäfer nicht bekämpft, da es sich letztlich um einen ganz normalen natürlichen Vorgang  handelt. In den weiten Fichtenforsten mit vielen gleichaltrigen Bäumen hat der Borkenkäfer speziell bei warmen und trockenem Sommerwetter beste Voraussetzungen für eine Massenvermehrung. Gesunde Bäume wehren sich gegen die Käfer jedoch mit starken Harzabsonderungen. Man darf nicht vergessen das, nachdem die deutschen Wälder in weiten Bereichen übernutzt worden waren, ab dem 18. und 19. Jahrhundert vermehrt mit den schnellwachsenden Fichten aufgeforstet wurde, um überhaupt erstmal wieder Wald zu haben. So wurden die Tanne und viele Laubbaumarten zurückgedrängt und die Fichten stehen jetzt auch auf Standorten, wo sie ursprünglich nicht natürlich wuchsen. In den ganz hohen Lagen ist die Fichte zu Hause und dort ist das Klima rau und der Borkenkäfer stellt hier keine Gefahr dar.

Urwaldstieg

Nach ca. 3km auf der Brockenstraße beginnt links ein teils mit Holzstegen ausgebauter Querweg, der nur etwa 200 Meter lang ist. Hier ist ein Stück „Brockenurwald“ zu erkunden. Auch hier gibt es abgestorbene Bäume, aber auch alle anderen Entwicklungsstadien mit kleinen Sämlingen und jungen nachwachsenden Fichten, sprich dem neuen Wald.

Der Kreislauf des Lebens: Ein abgestorbener Baum ist mit seinem verrottenden Holz Lebensraum für Fichtensämlinge und kleine Fichten, Blaubeere, Wald-Sauerklee, einen Farn, Pilze und verschiedene Moose und Flechten.

Urwaldstieg
Urwaldstieg, liegendes Totholz als Lebensraum

Nach dem Passieren des Gelben Brinks, einem Gebirgspass auf 900m Höhe, muss man auf den Abzweig zum Glashüttenweg achten.

Höllenstieg

Später auf dem Höllenstieg läuft es sich etwas beschwerlicher bergab. Der Weg ist noch total durchnässt und so manches Rinnsal läuft längs und quer des Weges.

Der Weg führt durch hohen Fichtenwald und offene Flächen, auf denen Bäume liegen oder abgestorben sind.

Vorm Erreichen der Molkenhaus-Chaussee, dieser Weg ist wieder breiter und eben, passieren wir ein Moor. Ein paar Flecken schimmern rötlich: Hier wächst Sonnentau.

Am Gasthaus „Steinerne Renne“

Das Gasthaus und Hotel befindet sich am Beginn eines schluchtartigen Talabschnitts der Holtemme. Die spielte beim letzten Hochwasser in Wernigerode eine der Hauptrollen und rauscht immer noch mit ordentlich Wasser zu Tal. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, welches man aus ein paar Metern Höhe von der Terrasse des Gasthauses von oben beobachten kann.

Nach einer Stärkung geht es über die Brücke am Gasthaus auf die andere Uferseite, auch hier geht es anfangs über Stock und Stein.

Es folgt ein kleines Wehr und von dort geht ein verdeckter Graben ab. Die Erklärung dazu folgt, wenn man die ersten Gebäude und Ausläufer des Ortsteils Hasserode erreicht. Das oben abgezweigte Wasser kommt hier unten im Wasserkraftwerk Steinerne Renne wieder an. Das Kraftwerk wurde 1899 in Betrieb genommen und wird heute von den Stadtwerken Wernigerode betrieben. Das Holtemmewasser treibt zwei Turbinen an, wovon die ältere sogar noch aus dem Jahr 1899 stammt.

Wer sich bei der Betrachtung des Fotos wundert, warum ein Wasserkraftwerk Rauchwolken erzeugt: Direkt daneben befindet sich der Bahnhof der Harzquerbahn. Hinter dem Gebäude fährt gerade der Zug aus.

Da Hasserode – danach ist das bekannte Bier benannt – sich ziemlich in die Länge zieht, bietet es sich an, hier den nächsten Zug Richtung Stadtzentrum zu nehmen und damit etwas Wegstrecke abzukürzen.

Stempelstellen der Harzer Wandernadel

Auf der beschriebenen Wanderung erreicht man drei Stempelstellen:

  • Brockenhaus
  • Gelber Brink
  • Gasthaus „Steinerne Renne“

Karte

 

GPS-Daten

GPS-Daten Wanderung downloaden

[1] Harzer Schmalspurbahnen GmbH  (http://www.hsb-wr.de)

[2] Deutscher Wetterdienst  (https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html)

[3] Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Brockengarten)

Vom Brocken nach Wernigerode
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