Vom Hexentanzplatz ins Bodetal

Wanderung vom Hexentanzplatz ins Bodetal

Hochwasser im Harz

Screenshot Unwetterzentrale
Screenshot Unwetterzentrale

Die Karte der Unwetterzentrale zeigte keine guten Neuigkeiten betreffs des Urlaubswetters.

Ist ja wie verhext.
Na gut, das passt wenigstens in dem Sinne, dass wir ab jetzt im Harz sind, Blocksberg und Hexentanzplatz in greifbarer Nähe.

Nach über einem Tag Dauerregen und 80, 100 oder mehr Litern Niederschlag pro Quadratmeter später war die Sache nicht mehr spaßig. Mittlerweile war die ansonsten eher beschauliche Holtemme in Wernigerode auf ihrem Weg Richtung Westerntor kurz davor über das Ufer zu treten, andernorts hat sie es wohl auch geschafft.

Holtemme

Die Holtemme ist ein Zufluss der Bode. Sie entspringt oben im Nationalpark Harz auf 862 Metern Höhe und fließt durch die Steinerne Renne, einen schluchtartigen Talabschnitt, erzeugt im Wasserkraftwerk Steinerne Renne seit 1899 im Vorbei- bzw. Durchfließen noch etwas Strom und erreicht schließlich den Wernigeröder Stadtteil Hasserode.

Nach 47 Kilometern und fast 780 Höhenmetern fließt die Holtemme in die Bode und mitsamt des Bodewassers irgendwann in die Saale, Elbe und Nordsee.

Die Feuerwehr ist im Landkreis im Dauereinsatz, einige Brücken wurden vorsorglich gesperrt und erste Sandsackbarrieren werden errichtet. Schöner Mist!

Am nächsten Morgen war die Katastrophe im Harz und dessen Umland perfekt: gesperrte überflutete Straßen, die Brockenbahn und einige Buslinien stellten ihren Betrieb ein, aufgeweichte Dämme, ganze Innenstädte unter Wasser, Katastrophenalarm im Landkreis Goslar. Das Sirenengeheul der Feuerwehr war den gesamten Tag ein Begleiter, der vom nassen Unheil kündete.

Endlich ließ der Regen langsam nach, selbst die Sonne zeigt sich zeitweise als wäre nichts gewesen. Auf dem Marktplatz in Wernigerode, vis-a-vis des historischen Rathauses liegen Sandsäcke, weil die Zilliertalsperre überlaufen soll. Die Stimmung in der Innenstadt ist beklommen.

Einen weiteren Tag später ist der Dauerregen endlich abgezogen, die Aufräumarbeiten nach der Flut können beginnen. Hoffentlich sind die entstandenen Schäden nicht allzu schlimm.

Auch die Urlauber widmen sich jetzt wieder ihren Tagesgeschäften: Es sind die Gelegenheit und das Wetter für eine längere Wanderung.

Wanderung ins Bodetal

Die Wanderung beginnt am Hexentanzplatz oberhalb von Thale. Das Auto kann man auf kostenfreien Parkplätzen an der Ausfahrtsstraße abstellen. Wer es will, kann den teuren Bezahlparkplatz näher am Hexentanzplatz nutzen. Es geht am Tierpark vorbei und vom ersten Aussichtspunkt gibt es eine schöne Aussicht übers Tal zur Rosstrappe. Das ist wirklich ein Riesenklotz von Felsen! Von unten hört der Wanderer schon die Bode rauschen.

Rosstrappe

Die Rosstrappe ist ein 403 Meter hoher Felsen gegenüber des Hexentanzplatzes.

Wie kam die Rosstrappe zu ihrem Namen?

Der Sage nach wollte der Riese Bodo, ein ziemlich übler Zeitgenosse, die schöne Prinzessin Brunhilde heiraten. Diese hatte aber verständlicherweise wenig Interesse und floh auf ihrem Ross. Im Rahmen der Verfolgungsjagd sprang Brunhilde samt Pferd über das Tal, welches bei der unsanften Landung auf der anderen Seite einen Hufabdruck in den Granit rammte. Die Krone ging dabei verloren und fiel in den Fluss. Bodo brachte ein paar Kilogramm mehr auf die Waage und schaffte den waghalsigen Sprung nicht, fiel tief hinunter ins Wasser und wurde auf diese Weise der unfreiwillige Namensgeber für die Bode.

Der „Hufabdruck“ kann heute noch auf dem Felsen besichtigt werden und die Krone liegt der Sage nach immer noch im Bodewasser.

Die Rosstrappe ist von Thale aus mit einem Sessellift erreichbar. Wanderer laufen über den Präsidentenweg von Thale kommend. Ferner gibt es eine Straße zum Rosstrappenberg und dem Berghotel.

Am Hexentanzplatz

Die Dichte der Menschenmassen nimmt merklich zu – ein deutliches Indiz, dass das erste Zwischenziel erreicht ist.

Der Hexentanzplatz, ein Felsplateau über dem Bodetal, ist einer der bekanntesten Ausflugsziele der Harzregion.

Alles was irgendwie mit Hexen zu tun haben könnte – hier ist es zu finden. Unzählige Attraktionen und Souvenirstände buhlen um die Urlaubbudgets der Touristen. Wer Hunger oder Durst verspürt, findet genug Möglichkeiten zur Einkehr und Stärkung. Man empfindet einen ganz zarten Hauch einer gewissen Kommerzialisierung. Vielleicht ist es aber nur Einbildung.

Den Blick zur Rosstrappe gibt es nebenbei auch hier, der Hexentanzplatz überragt die Rosstrappe mit ihren 454m sogar deutlich. Vermutlich war hier in längst vergangenen Tagen ein altsächsischer Kultort gewesen.

Es geht weiter zur Seilbahn. Den Gondeln beim Einschweben und Ausfahren zuzuschauen hat etwas ungemein beruhigendes. Am Meer würde man den Meereswellen zuschauen wie sie auf den Strand laufen, hier sind es eben die Kabinen der Schwebebahn.

Bevor es jetzt nach unten geht, fällt eine alte Trockenmauer aus Steinen auf. Es sind die Reste des sogenannten Sachsenwalls, welcher vor etwa zweieinhalbtausend Jahren errichtet wurde. Er war vermutlich eine Fluchtburg, d.h. ein zeitweiliger Rückzugsort bei drohenden Angriffen. Der Wall ist 150m lang und war ursprünglich etwa 2m hoch.

Hinter dem Harzeum-Gebäude beginnt der Weg, welcher uns auf Serpentinen hinab ins Tal führt.

Der Hang ist mit Ahornen, Linden und Eichen bestanden, vereinzelt wachsen Ebereschen. Auf den Felsen und moosbewachsenen Steinen sitzen Tüpfelfarne, wir werden sie im gesamten Tal häufig sehen. Der Weg ist teilweise steinig, Trittsicherheit ist erforderlich, aber das gilt für weite Abschnitte dieser Wanderung.

Es gibt einzelne Ausblicke in Richtung der Stadt Thale und Harzvorland.

An der Gaststätte „Waldkater“ erreicht man den Talweg. Ein Schild warnt noch vor gebirgstypischen Gefahren.

Warnung
Warnung

Das laute Tosen der Bode ist ab hier für einige Kilometer unser Wegbegleiter. Der rauschende Fluss zieht den Wanderer in seinen Bann. Mit dem Blick zum Wasser übersieht man fast die Felsen am Wegesrand. Die Botanik wird ebenfalls zur Nebensache.

Aufgrund der Regenmassen der letzten zwei Tage strömt mehr Wasser als sonst das Tal herunter.

Links ein Foto von einer früheren Wanderung, hier sieht man die Steine im Fluss liegen und die Pestwurz steht am Ufer. Heute ist alles überspült.

Bode

Die Bode hat zwei Quellflüsse, die Kalte und die Warme Bode (die Warme Bode hat wohl am Zusammenfluss zur Bode um etwa 2°C wärmeres Wasser). Sie wird auf ihrem Lauf durch den Harz dreimal gestaut (Mandelholztalsperre, Talsperre Königshütte, Talsperre Wendefurth) und fließt nach 169km in die Saale.

An der Jungfernbrücke wechseln wir im Hirschgrund auf die andere Uferseite zum Gasthaus „Königsruhe“, einer Gaststätte mit Biergarten und Pension. Die heutige Jungfernbrücke wurde 1927 errichtet, nachdem die letzte Brücke 1925 bei einem verheerenden Hochwasser von den Fluten weggerissen wurde.

Später passieren wir die Zinnober- und die Hexenbrücke, diese queren nicht den Fluss, sondern der Weg führt im inzwischen verengten Tal auf schmalen Steigen und Brücken teilweise geländergesichert nah am Hang entlang. Es gibt schöne Blicke auf schroffe Felsen und den unten tosenden Fluss.

Die Schurre, ein steil emporsteigender Wanderweg über Blocksteinhalden bis zur Rosstrappe, ist seit einem Felssturz 2010 gesperrt. Die Gefahr, dass Wanderer samt einer größeren Menge Geröll und Gestein ins Tal stürzen, ist anscheinend zu hoch.

Teufelsbrücke und Bodekessel

Die Teufelsbrücke mit ihrem Namensschild bietet sich für Selfie- und Selbstauslöseraufnahmen an. Sie kündigt den Bodekessel, die vielleicht bekannteste Stelle des Flusses, an. Der Bodekessel ist eine Stromschnelle, bzw. ein kleiner Wasserfall von etwa einem Meter Höhe. Der war sogar mal zwei Meter hoch, wurde aber Ende des 18. Jahrhunderts abgesprengt, um die Bode floßbar zu machen. An den felsigen Uferwänden sieht man große Auskolkungen (Auswaschungen), die das Bodewasser im Laufe der Zeiten unermüdlich geschaffen hat.

Das Wasser brodelt und schäumt.

Da denkt man doch spontan an Schillers Taucher:

„Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,

Zu tauchen in diesen Schlund?

Einen goldnen Becher werf ich hinab,

Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.“

„Und es wallet und siedet und brauset und zischt,

Wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt,

Bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt,

Und Flut auf Flut sich ohn Ende drängt,

Und will sich nimmer erschöpfen und leeren,

Als wollte das Meer noch ein Meer gebären.“

Friedrich Schiller, Der Taucher

Jetzt geht es auf steilen Pfaden bergan, es gibt weitere herrliche Aussichten runter ins Tal, zu den gegenüberliegenden Felsen und Blockhalden. Dann geht es ganz allmählich wieder runter, das Tal weitet sich langsam.

Botanische Besonderheiten

Jetzt, da die rauschende Bode nicht mehr die gesamte Aufmerksamkeit des Wanderers in Anspruch nimmt, fällt der Blick jetzt wieder vermehrt auf den umgebenden Wald und die Flora am Wegesrand.

Je nach Standortverhältnissen finden wir Traubeneichen, Bergahorn, Sommerlinden oder Rotbuchen im Baumbestand. Das Kästenbachtal, welches wir passieren, ist bekannt für seine alten Eibenbestände.

In der Krautschicht des Waldes wachsen

  • Silberblatt
  • Gelber Eisenhut
  • Leberblümchen
  • Christophskraut
  • Zwiebel-Zahnwurz
  • Platanenblättriger Hahnenfuß
  • Wald-Bingelkraut
  • Lungenkraut
  • Kleinblütiges Springkraut
  • Große Sternmiere
  • Waldmeister
  • Buschwindröschen
  • Gelbes Windröschen
  • Hohler Lerchensporn
  • Frühlings-Platterbse u.v.m.

Auf den Felsen und in Felsspalten sind Braunstieliger Streifenfarn und der Tüpfelfarn zu Hause.

Die Gewöhnliche Pestwurz die sich im Uferbereich wohl fühlt, ist zurzeit durch das hohe Wasser überspült (s. Foto oben).

Irgendwann heißt es Abschied nehmen vom Fluss und es geht wieder mal bergan.

Eine ganze Weile später in der Nähe des Tierparks führt ein kurzer Abstecher noch zur La Viers-Aussicht und ein erlebnisreicher und anstrengender Tag geht zu Ende.

Optionen

Da nach dem Wandern im Tal noch ein weiter Weg zurück zu bewältigen ist, folgende Vorschläge:

Variante 1:

Die Wanderung genau anders herum zu laufen. So startet man nach dem Abstieg ins Bodetal an dem nicht ganz so spektakulären Talabschnitt und steigert sich bis zum Bodekessel. Wer keinen Proviant mitnimmt, kann nun zum Ende der Wanderung in die Gaststätten unten am Fluss einkehren und sich stärken.

Variante 2:

Wie Variante 1, aber man läuft noch ein Stück weiter flussabwärts und nimmt zum Ende die Kabinenbahn hoch zum Hexentanzplatz. Dieser Weichei-Variante muss man sich nicht schämen. Der Weg von unten bis hoch ist wirklich anstrengend und bei sommerlicher Hitze noch viel mehr.

Stempelstellen der Harzer Wandernadel

  • Gasthaus „Königsruhe“
  • La Viers-Aussicht

Je nach Wahl des Rückweges und Ausdauer:

  • Denkmal für den Forstwissenschaftler Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (Pfeil-Denkmal)
  • Aussichtspunkt Prinzensicht

Karte

 

GPS-Daten

GPS-Daten Wanderung downloaden

[1] Unwetterzentrale (www.unwetterzentrale.de) (24.7.2017)

Vom Hexentanzplatz ins Bodetal
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