Wanderung auf die Milseburg

Wanderung auf die Milseburg

Urlaub in der Rhön

Heute ist der erste Tag unseres ersten Urlaubs in der Rhön und die Milseburg wird unser erstes Wanderziel sein. Wie sich herausstellen wird, ist es ein botanisch und kulturgeschichtlich interessanter Berg mit einer sehr schönen Aussicht, der auch als „Perle der Rhön“ bezeichnet wird.

Start der Wanderung

Am Fuße des Berges gibt es einen gemütlichen Wanderparkplatz. Er befindet sich zwischen Kleinsassen und Danzwiesen und ist über die L3379 erreichbar. Alte Bäume säumen die Parkfläche, das wird sich später bezahlt machen, wenn das Auto nach der Rückkehr im Schatten steht. Die ersten Hinweistafeln bilden den Wanderer weiter und laden alle Interessierten dazu ein, einen archäologischen Wanderweg zu laufen. Was es hier außer Natur und Aussicht gibt – dazu später mehr.

Ein kurzes Stück geht es an bunten Wiesen vorbei. Die gelben Tupfen von Hahnenfußblüten und die weißen Puscheln der verblühten Löwenzähne dominieren das Grün. Einige Pflanzen Wald-Storchschnabel und Wiesen-Knöterich steuern violette und rosa Farbakzente bei.

Petrus hat es vermutlich gut gemeint, aber etwas übers Ziel hinausgeschossen.

Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, aber es ist schon vormittags schwül und schweißtreibend. Der morgendliche Wetterbericht drohte, dass uns dieses Wetter inklusive eines täglichen obligatorischen Gewitters noch mehrere Tage erhalten bleibt. Zum Ende des Monats wird wetteronline.de melden, dass dieser Mai mit einer Mitteltemperatur von 16,0 Grad der wärmste Mai seit 130 Jahren war. [1]

So sind wir froh, vorerst den kühlen Wald zu erreichen. Hier stehen Busch-Windröschen, Knoblauchrauke und Silberblatt. Einige Blüten des Silberblatts sind noch zu sehen, aber viele Pflanzen tragen schon grüne Schoten. Später im Jahr werden diese silbern glänzen und den Namen der schönen Staude rechtfertigen.

Auf gut ausgeschilderten Wegen geht es bergan, vorbei an Wald-Bingelkraut, Waldmeister, Ährigen Teufelskrallen und dem Hinweisschild für die NSG-Grenze.

Naturschutzgebiet Milseburg

Die Bergkuppe der Milseburg ist auf einer Fläche von 46 Hektar seit 1968 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. [2] Eine Teilfläche ist zugleich Kernzone des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Unter Schutz gestellt wurden die naturnahen Wälder mit Blockhalden und Felsgebüschen.

Eine botanische Besonderheit ist der seltene Rostrote Wimperfarn Woodsia ilvensis, welcher in Deutschland hier einen seiner wenigen Standorte hat. [3] Die verschiedenen Felsenstandorte sind aber auch ein Refugium für seltene Moose und Flechten.

Der Boden des Hangwaldes wird von vielen Steinen mit Tüpfelfarn und anderen Farnarten geprägt. Wir sehen Baldrian, Türkenbund mit Blütenknospen, die dunkelgrünen Blätter der Haselwurz und Wald-Sauerklee. Später säumt ein Massenbestand des schon erwähnten Silberblatts den Weg. Noch ein kurzer Blick nach oben ins Blätterdach: Die Rotbuche ist hier vorherrschend, aber gemischt mit Bergahorn und Bergulme, eine Linde sehen wir ebenfalls.

Ab und zu gibt es die ersten Ausblicke ins Umland, beispielsweise zum Barockschloss Bieberstein. Dieses sieht rechtlich stattlich aus, Internet und Wikipedia verraten uns später, dass es heute ein Gymnasium, nämlich das Lietz-Internat Schloss Bieberstein beherbergt.

Auf dem Gipfel der Milseburg

Nur noch ein paar Höhenmeter und wir sind auf dem Gipfel angelangt.

Die Milseburg ist 835 Meter hoch.

Der Berg entstand durch Vulkanismus im Tertiär. Allerdings blieb das Magma damals „stecken“ und kühlte knapp unter der Erdoberfläche als Phonolithgestein aus. Seitdem sind ein paar Jährchen vergangen und das weichere Gestein ringsum den härteren Phonolithblock ist mittlerweile erodiert. Übrig blieb der markante Phonolithberg, auf dem wir jetzt stehen. Das Wirken von Wind und Wetter während der Eiszeiten führte zu einer teilweisen Verwitterung des Phonoliths und die Blockhalden ringsum den Gipfel entstanden.

Der Gipfel des Berges ist übrigens nur zu Fuß zu erreichen.

Die phantastische Aussicht entschädigt für die Anstrengungen, die Dörfer im Umland liegen wie Spielzeug vor dem Betrachter.

Die rhönweit allgegenwärtige Wasserkuppe gibt sich selbst dem Ortsfremden durch ihre auffällige Radarkuppel einfach zu erkennen.

Ein freundlicher hessischer Wanderkollege erklärt uns weitere Berge und Ortschaften. Direkt westlich von uns liegt Fulda. Uups, so nahe?! Ein Blick aufs GPS zeigt, dass die alte Barock- und Bischofsstadt gerade mal 16 Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Fulda ist in und um die Rhön herum die einzige größere Stadt. Linker Hand ist ein heller Fleck zu sehen – es ist die Abraumhalde des Kalibergwerks Neuhof-Ellers. Der künstliche Berg trägt den schönen Spitznamen “Monte Kali”. Dort der Vogelsberg, dort das Hessische Kegelspiel und und und …. Zum Glück gibt es wie auf jedem touristisch gut erschlossenem Aussichtpunkt eine kleine Kompass-Tafel mit den umliegenden Bergen und den dazugehörenden Entfernungen, mit deren Hilfe wir die vielen Informationen nochmal in Ruhe durchgehen konnten.

Den Berggipfel krönt eine Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1756, dazu gibt es im Gipfelbereich noch zwei Gebäude.

Gangolfskapelle

Die kleine Wallfahrtskapelle wurde zu Ehren des heiligen Gangolf, einem burgundischen Ritter aus dem 8. Jahrhundert, errichtet. Die ursprüngliche Kapelle stammte aus dem späten 15. Jahrhundert, heute sehen wir einen Neubau, welcher im Jahr 1932 geweiht wurde. Vor der Kapelle befindet sich eine Freifläche mit einer steinernen Kanzel. Zu ausgewählten Feiertagen werden hier Berggottesdienste gefeiert.

Milseburg-Hütte

Die Wanderhütte auf der Milseburg wurde 1883-84 durch den Rhönklub errichtet und bietet eine Einkehrmöglichkeit für hungrige Wanderer (Donnerstag ist Ruhetag – Stand 2018).

Die urige Hütte ist selbst heutzutage nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen und eine Wasserleitung gibt es auch nicht. Das Essen wird am Holzofen gekocht und bei Kerzenlicht wird es richtig gemütlich. Wer Montagmittag den Berg erklimmt, kann ab 13:00 Uhr den fast legendären Montagssängern zuhören, welche sich bei Wind und Wetter seit über 30 Jahren jeden Montag in der Milseburghütte treffen. [4]

Abstieg

Nachdem der Aufstieg eher von westlicher Seite aus erfolgte, gehen wir jetzt den Weg östlich hinab, um die Kuppe zu umrunden. Hier wachsen auch Maiglöckchen und Goldnessel. Immer wieder kann man über teils bemooste Blocksteinhalden und ins Umland blicken.

Die steilen Wege zum Gipfel der Milseburg mögen zwar anstrengend sein, aber viele Bänke ermöglichen eine Verschnaufpause. Nach etwa 150 bis 200 Metern Abstieg könnte man einem Abzweig links folgen, um wieder zum Parkplatz zu gelangen. Aber der Tag ist noch jung und wir halten uns rechts. Zwischen Steinen wachsen Eichenfarn und Heidelbeeren.

Oppidum Milseburg

Eigentlich wollen wir rechts am Berg, bzw. Waldrand entlang laufen, machen aber noch einen kurzen Abstecher nach unten, da ein großer Steinwall und mehrere Infotafeln uns neugierig machen.

An der Milseburg befand sich vor über zweitausend Jahren die keltische Siedlung Oppidum Milseburg. Ein Oppidum (Mehrzahl Oppida) ist eine befestigte stadtartige Siedlung der späten Eisenzeit. Die Siedlung existierte etwa von 800 v. Chr. bis 100 v. Chr.. [5]

Hier am Bergfuß stand eine mächtige etwa 1400 Meter lange Mauer, welche sozusagen als Stadtmauer fungierte. Heute ist nur noch ein zusammengefallener Steinwall davon erhalten. Eine Rekonstruktion soll zeigen wie ungefähr die Abmessungen des Bauwerkes gewesen sind. Gebaut wurde damals noch anders, die moderne Drahtgitterkonstruktion war noch unbekannt. Die ursprüngliche Mauer war mit einer Schalmauer aus Holz verkleidet. [6]

Die steilen Basaltkuppen der Rhön waren für diese vorgeschichtlichen Ringwälle gut geeignet. So konnten sich die alten Kelten ihr Baumaterial von den Blockhalden der Milseburg holen. Dieser Steinwall hat also nichts mit den Lesesteinwällen in der Hochrhön gemeinsam. Deren Steine wurden von den Wiesen oder Ackerflächen abgelesen da sie die Bearbeitung der Flächen störten und an den Feldrändern gesammelt und aufgeschichtet.

Blocksteinhalden

Wir laufen zurück und folgen dem Weg am Waldrand unterhalb eines großen Blockmeeres. Hier mischen sich auch Fichten in die Baumschicht, passend dazu wächst Harz-Labkraut. Der Weg wird schmaler und führt in Serpentinen unterhalb einer großen Blocksteinhalde hinunter. Zwei Steine klingen hell als sie beim Auftreten gegeneinander schlagen. Na klar, dass ist der Phonolith, zu Deutsch auch Klingstein genannt aufgrund dieses hellen Klanges beim Anschlagen.

Wieder zurück im hohem Buchenwald wachsen Quirl-Weißwurz, Waldmeister, Zwiebel-Zahnwurz, Haselwurz und Busch-Windröschen. Die Vögel singen ihre Lieder, ansonsten herrscht auf diesem Wegstück Ruhe. Andere Wanderer sind eher auf den Pfaden zwischen Gipfel und Parkplatz zu treffen.

Wir gehen schön langsam, ja nichts verpassen! Und siehe da! Den Trupp Aronstabpflanzen hätten wir fast übersehen. Steine schmücken sich mit grünen Häubchen aus Moos und Wald-Sauerklee. Auf den vielen alten zerfallenden Baumstämmen wachsen zusätzlich noch Farne oder Stinkender Storchschnabel.

Kurz vor dem Verlassen des Waldes finden wir doch noch Orchideen! Gut möglich, das wir schon einiges übersehen haben, aber die eher unscheinbare gelblich-braune Vogel-Nestwurz haben wir jetzt entdeckt.

Die Pflanze ist ein Vollschmarotzer und ist fast völlig ohne Chlorophyll (Blattgrün). Dadurch ist sie nicht in der Lage Photosynthese zu betreiben. Alle zum Überleben notwendigen Nährstoffe erhält sie von einem Wurzelpilz, den sie parasitiert. Die Art kommt in fast ganz Europa vor und wächst 15 bis 30 cm hoch. Die Blütezeit ist von Mai bis Juli, die einzelnen Blüten sind in einer dichten Ähre angeordnet.

Ende der Wanderung

Nach gerade mal vier Kilometern sind wir wieder am Ausgangspunkt zurück.

Die erwähnten Pflanzen sind wie immer in Reihenfolge ihrer Entdeckung oder Auftretens aufgezählt. Die Liste ist wie immer unvollständig und auch subjektiv. Jeder hat halt seine Lieblingspflanzen.

Die erste Rhön-Wanderung kann als voller Erfolg gewertet werden, die Milseburg hat ihren Ehrennamen „Perle der Rhön“ verdient!

Nochmal der Hinweis: Das Gelände ist teilweise steil, festes Schuhwerk ist hier Pflicht, erst recht bei nassem Wetter.

Stellberg

Wer noch Lust und Laune hat, dem sei der nahe gelegene Stellberg etwas weiter südwestlich empfohlen. Er ist über das Künstlerdorf Kleinsassen und Wolferts über die L3330 erreichbar. Links führt ein Weg in den Wald hinein, dort gibt es einen Wanderparkplatz.

Wenn man den 727 Meter hohen Berg erklommen hat, gibt es eine schöne Aussicht auf das Rhönvorland bis in den Vogelsberg. Die naturnahnen Buchenwälder des Stellbergs stehen als NSG „Stellberg bei Wolferts“ unter Schutz.

Karte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
GPS-Daten Wanderung downloaden

Quellen

[1] https://www.wetteronline.de/wetterrueckblick/2018-05-30-rb

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Naturschutzgebiete_im_Landkreis_Fulda

[3] http://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=6433&

[4] http://www.milseburghuette.com/historie.html

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Oppidum_Milseburg

[6] Infotafel Wanderweg

Wanderung auf die Milseburg
Markiert in: