Wanderung zu den Talsperren Neunzehnhain 1 und 2

Start ist auf dem Wanderparkplatz in der Nähe der Heinzebank an der B101. Der Parkplatz ist gebührenfrei und bietet ausreichend Platz. Etwas unterhalb der Talsperre Neunzehnhain 1 gibt es einen weiteren kleinen Wanderparkplatz, der kann bei schönem Wanderwetter aber auch mal voll sein.

Es ist wochentags, nur wenige Pilzsammler sind zu früher Stunde schon hier. Ich stelle kurz klar, dass ich keine Konkurrenz darstelle, da ich höchstens ein paar Pilzfotos mit nach Hause nehmen will und nehme den Fotoapparat aus dem Auto. Dann werde ich noch kurz belächelt, weil der moderne Wanderer von heute ein GPS-Gerät mit sich trägt. Es ist halt nicht jeder so technikaffin.

Dann geht jeder seiner Wege, bei mir bedeutet das, bergab Richtung Talsperre Neunzehnhain 2. Anfangs läuft man noch in Hörweite der Bundesstraße, den Rest des Tages wird es richtig ruhig.

Eine einzelne Telekie verblüht am Wegesrand. Diese Blumen sind im gesamten Gebiet von Bornwald und Heinzewald zu finden. Die Telekie ist eigentlich in Südosteuropa und im Kaukasus beheimatet, wird aber in Deutschland als Zierpflanze verwendet und ist mancherorts, auch hier im Bornwald und Heinzewald verwildert. Der Asphaltweg Richtung Talsperre wird alleeartig gesäumt von alten Bäumen mit hübsch bemoosten Stämmen. Es sind hauptsächlich Bergahorne, im Hinterland stehen Fichten.

Buschmühle

Rechterhand ist ein kleiner Teich. Ein betagtes, stark verblasstes Schild verrät, dass hier einst die Buschmühle stand. Die erste urkundliche Erwähnung war im 16. Jahrhundert, im Zuge des Talsperrenbaus wurde sie abgerissen und nur der Mühlenteich legt heute noch Zeugnis von ihrer Existenz ab. Am Wegesrand wachsen Kohl-Kratzdistel und Brauner Storchschnabel.

Der Weg verläuft jetzt parallel zum Lautenbach, welcher später in den Neunzehnhainer Talsperren gestaut wird. An der alten Brücke gehe ich rechts. Durch hohen Fichtenwald erreicht man dann wieder den Lautenbach kurz vor der Vorsperre. Allerdings hatte ich hier eine Brücke erwartet, war aber keine da. Da hilft nur ein beherzter Sprung über das Wasser. (In der GPX-Datei habe ich den Abstecher ausgespart.)

Wieder auf dem Hauptweg geht es vorbei an der Vorsperre, an einem Massenbestand Telekie im Weggraben und es gibt einen ersten Blick auf die Talsperre Neunzehnhain 2.

Diese ist konsequent eingezäunt, man kommt nicht ans Wasser. Aber der Asphaltweg verläuft nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Das Wetter ist heute wirklich nicht fotogen. Über Nacht hat die Wetter-App auf dem Handy das Sonne/Wolken-Symbol gegen eine triste grau Wolke ausgetauscht. Und so sah es nun auch aus.

Talsperre Neunzehnhain 2
Talsperre Neunzehnhain 2

Es ist eben Herbst, die Bergahorne zeigen das deutlich mit einsetzender Laubfärbung. Am Wegrand wachsen Ginster, Hasenlattich, Heidekraut, Nesselblättrige Glockenblume und verschiedene Farne. An einem Zipfel in der Wasserfläche fließt noch der Gänsebach in die Talsperre. Die vielen Adlerfarne tragen schon Herbstfärbung.

Talsperre Neunzehnhain 2

Vor der Staumauer gibt es einen Pavillon mit mehreren Infotafeln. Der Infopunkt ist zugleich ein Rastplatz mit Sitzgelegenheiten. Müllbehälter gibt es nicht, man bittet darum, seine Abfälle wieder mitzunehmen.

Richtig gut ist das Modell einer kleinen Staumauer: So saniert man eine marode Staumauer. Die Staumauer der Neunzehnhain 2 mit einer Kronenlänge von 280 Metern ist begehbar. Markante Punkte sind die zwei Kronenhäuschen und der dazwischenliegende Überlauf.

Die Talsperre wurde 1911 bis 1914 gebaut, die Stauoberfläche bei Vollstau beträgt 29 Hektar. Zum Vergleich dazu hat die nordöstlich gelegene Talsperre Saidenbach eine Fläche von immerhin 146 Hektar. Im Verbund mit dieser Talsperre, der Neunzehnhain 1 und Einsiedel werden der Großraum Chemnitz und Teile des Erzgebirgskreises und Mittelsachsens mit Wasser versorgt. Dazu sind die Sperren mit einem System aus Rohrleitungen und Stollen miteinander verbunden worden. U.a. durch die günstige Lage (großer Anteil bewaldeter Fläche im Einzugsgebiet) hat die Talsperre eine hervorragende Wasserqualität. Damit das auch so bleibt ist ringsum Trinkwasserschutzgebiet und Baden, Wassersport und Zelten verboten. Deswegen auch die Einzäunung der Talsperre. Gestaut werden der Lautenbach und der Gänsebach, welche je ein Vorbecken durchfließen.

In den Jahren 1996 bis 2000 wurde die Talsperre saniert. Jetzt hat sie eine neue Dichtwand und einen Kontrollgang am Mauerfuß. Die Talsperre dient nicht der Hochwasservorsorge.

Links führt ein schmaler beschwerlicher Trampelpfad nach unten. Wer nicht trittsicher ist, sollte besser den Weg auf der anderen Seite der Staumauer nutzen. Unterhalb der Mauer verläuft der gemütliche Lautenweg dicht am Lautenbach talabwärts. Buchenfarn, Hexenkraut und Waldziest blieben hier aus botanischer Sicht in Erinnerung.

Wieder auf dem Hauptweg kommt ein Gebäudekomplex. Laut Tafel residiert hier: Technische Universität Dresden, Sektion Wasserwesen, Bereich Hydrobiologie, Hydrobiologisches Laboratorium Neunzehnhain. Eine kleine Tafel klärt den Wanderer auf: Das Laborgebäude war früher mal ein Gasthaus. In dem kleinen Ort, der hier mal existierte, lebten Anfang des 20. Jahrhunderts 77 Einwohner in 8 bewohnten Häusern.

Es geht eine kurze Kastanienallee entlang, oben standen schon schöne alte Eichen an einem Garagenkomplex. Ein Stück verläuft der Lautenbach nach einem Wehr nicht mehr im natürlichen Bett, sondern teilweise in einem Kanal. Achtung, wasserwirtschaftliche Anlage = soll nicht betreten werden.

Talsperre Neunzehnhain 1

Kurz vor der Talsperre Neunzehnhain 1 ist ein Rastplatz. Eine Holzfigur eines Bergmanns und eine Tafel erinnern an einen alten Kalksteinbruch. Noch bis 2015 wurde auch noch durch die GEOMIN Erzgebirgische Kalkwerke GmbH an der B101 zwischen Pockau und Heinzebank Marmor abgebaut. Die historischen Anlagen des alten Kalkwerks Lengefeld gleich daneben sind heute technisches Denkmal und können besichtigt werden.

Ich halte mich links um eine Runde um die Talsperre zu laufen. Das ist relativ schnell erledigt, da die kleine Neunzehnhain nicht besonders groß ist. Die Wasserfläche beträgt bei Vollstau nur 7 Hektar.

Links im Wald steht noch eine Ruine, vermutlich der Kalkofen vom obigen Kalksteinbruch. Nach der Umrundung von Talsperre und den Betriebsgebäuden steht man vor verschlossener Türe. Die denkmalgeschützte Dammkrone ist leider nicht begehbar. Dafür hat die Landestalsperrenverwaltung eine Bank mit Blick aufs Wasser spendiert. Daneben können eine Absperrklappe DN1000 von 1928 und ein Ringkolbenventil DN600 von 1987 bestaunt werden. Ersteres war Teil einer Rohwasserüberleitung, das Ventil war im Grundablass der oberen Talsperre verbaut gewesen.

Die untere Talsperre wurde vor der oberen schon 1905 bis 1908 erbaut. Die Mauerkrone ist 150 Meter lang, auch diese Sperre dient nicht dem Hochwasserschutz. Eine Teilsanierung erfolgte 2009 bis 2011. Die Waldsiedlung Bornwaldhäuser musste damals im Zuge des Talsperrenbaus aufgegeben werden, da der Wald zum Trinkwasserschutzgebiet erklärt wurde.

Das Foto 5 zeigt eine Art Wasserbrücke. Bei Starkregen kann es zu einer Verschlechterung der Wasserqualität kommen. Das wird im Messhäuschen mittels Sonden erkannt und das trübe Wasser in einem Umgehungsgraben um die Talsperre herumgeleitet. Auf einer Infotafel wird alles genau erklärt. Was man bei dieser Wanderung alles lernen kann!

Schwarzbach

Nun geht es erstmal ein Stück zurück, am Gasthaus-Labor vorbei und dann ins Schwarzbachtal aufwärts. Rechts am Wegesrand steht wieder Adlerfarn und schon lange verblühte Ährige Teufelskralle, beim Fotografieren zeigt sich doch wirklich ein zarter Hauch Sonne! Links verläuft eine Feuchtwiese, erkennbar an den Simsen und Binsen. Sie ist allerdings schon gemäht, wäre interessant zu wissen, wie es im Frühjahr oder Sommer aussieht. Zumindest die Rosetten der Verschiedenblättrigen Kratzdistel fallen mir auf.

Später erreicht man einen gemütlichen Rastplatz mit wasserspeiender Wildsau. Eine Tafel verrät in stark arzgebirgscher Mundart dass hier früher die sogenannte Findeisenmühle stand. Der Wildschweinkopf wurde von engagierten Mitmenschen aus einem Lärchenstamm gefertigt. Als Holzschutzmittel wurde gutes Leinöl verwendet.

Später im dunklen Wald quert plötzlich ein Rudel Rehe weiter vorn den Weg, vielleicht anderthalb bis zwei Dutzend Tiere. Sehen Rehe aber nicht schlanker und eleganter aus? Hatte das letzte Tier etwa gedrehte Hörner? Fragen über Fragen, das ging zu schnell und war zu weit entfernt. Kommen hier Mufflons vor?

Schon wieder eine Infotafel und schon wieder ein alter Mühlenstandort. Bis 1921 stand hier die Bornwaldmühle und es gab eine kleine Ansiedlung mit über einhundert Bewohnern. Ein paar unscheinbare Spuren davon gibt es noch. Den Waldboden bedeckt Immergrün, das fiel mir schon am Standort der ehemaligen Buschmühle auf. Vermutlich standen die Pflanzen mal zur Zierde in Müllers Garten. An den Wegesrändern wachsen hier auch Akeleien, vielleicht ebenfalls Gartenflüchtlinge. Im Geländeprofil erkennt man mit etwas Phantasie auch noch den alten (jetzt trockenen) Mühlgraben und einen kleinen Teich.

Schwarzer Teich

Am Ufer des Schwarzen Teichs sind Libellen (Blaugrüne Mosaikjungfer) auf der Jagd. Der Teich wurde einst als Staubecken für den Mühlgraben einer Spinnerei gebaut, welche Teil der schon erwähnten Bornwaldhäuser war. Der grünen Markierung folgend geht es noch mal Richtung Talsperre. Da geht es zwischenzeitlich steil bergan, am Rand sind Reste von Schlüsselblümchen zu finden.

Kalte Küche

Hier wird das „Reh-Mufflon-Problem“ gelöst. Ein Schild verrät, dass im Bornwald in den 1970er Jahren Mufflons ausgesetzt wurden. Die sind zwar faunenfremd, versprachen aber zusätzlich Jagdstrecke. Das Eingewöhnungsgatter befand sich hier an der Kalten Küche.

Früher wurden an der Kalten Küche bei kurfürstlichen Jagden die Jagdhelfer verpflegt.

Rückweg

Nach einem weiteren Abstecher zur oberen Talsperre über den Gänsebachweg geht es wieder zurück zum fahrbaren Untersatz. Mittlerweile waren auch bald 20 Kilometer Wegstrecke zusammengekommen.

Die Aufzählung der beobachteten Pflanzenarten ist völlig subjektiv entstanden und unvollständig. Was halt im September noch zu finden ist, bzw. in der Erinnerung haften blieb.

Karte

 

GPS-Daten

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