Osterspaziergang

Was der alte Faust und sein Famulus Wagner konnten, können wir schon lange. Ostersonntag, die Sonne scheint, also raus zum Osterspaziergang- bzw. -wanderung.

„Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!“

Johann Wolfgang von Goethe, Faust I

Start war in der Nähe von Dorfhain am Harthaer Weg unterhalb der Bahnstrecke am Wanderparkplatz.

Seerentalweg

Gleich zu Beginn gibt es eine neue verbesserte Feuchtwiese unterhalb des Bahndammes bestaunen. Einige große Löcher wurden gebuddelt, welche sich mit Wasser gefüllt haben. So entstanden kleine Laichgewässer, die – so ist zu beobachten – von der anwesenden Amphibienfauna schon genutzt werden.

Was man sich dagegen auf der anderen Wegseite mit dem neugepflanzten Auwald aus Fichten (!) gedacht hat?

Längs des Seerenbachweges stehen schon Gebirgs-Hellerkraut, Busch-Windröschen, Scharbockskraut und Wald-Bingelkraut. Mit etwas Glück findet man vielleicht auch einen Seidelbast, die Suche heute war allerdings vergebens.

Entlang der Wilden Weißeritz

Nach der Überquerung der Straße nach Edle Krone geht es am Ufer der Wilden Weißeritz entlang Richtung Dorfhain. Hier gibt es große Bestände der Roten Pestwurz. Sie wächst an Flussufern, in Talauen und auf nassen Wiesen. Sie bildet später große schirmartige Blätter aus, aber zuerst kommen die Blüten, bevor das Grün austreibt. Die roten bis blassrosa Blüten sind traubenförmig angeordnet. Früher dachte man, die Pflanze würde gegen die Pest helfen, aber der Nutzen wird diesbezüglich vermutlich in einem überschaubaren Rahmen geblieben sein.

Später sehen wir auch die ersten Wald-Schlüsselblümchen, Bärlauchblätter und Goldsterne. Am Ortseingang von Dorfhain zeigt eine Tafel Wissenswertes über die Weißeritz und auch ein eindrucksvolles Foto, welches von der Kraft der Weißeritz kündet, wenn ihr mal nach Hochwasser zumute ist. Heute machte sie aber eher auf harmloses Flüsschen.

Die Wilde Weißeritz entspringt auf dem Erzgebirgskamm auf tschechischer Seite bei Nové Mesto. Nach reichlich 52 km vereinigt sie sich in Freital-Hainsberg mit der Roten Weißeritz. Auf ihrem Weg wird sie zweimal gestaut: In der Talsperre Lehnmühle, bzw. der Talsperre Klingenberg.

Schema des Flusssystems der Wilden Weißeritz
Schema des Flusssystems der Wilden Weißeritz

An der Barth-Mühle begrüßte ein unfreundlicher Hund alle Wanderer. Da wird er heute bei dem schönen Osterwetter noch viele Vorbeikommende ankläffen können.

Je nachdem wie weit der Frühling schon vorangeschritten ist, kann man frischen Austrieb des Gefleckten Aronstabs, der Süßen Wolfsmilch und Gelbe Windröschen finden. Am Ufer wiegen sich die Fruchtstände des Ausdauernden Silberblatts im Wind.

Am Aurorastollen

Später kommt der Wanderer am Aurorastollen vorbei.

Hier wurde seit dem 16. Jahrhundert bis ins Jahr 1894 nach Silber gesucht.

Fleißige Ehrenamtler haben 1986 begonnen das alte Bergwerk zu beräumen und heute ist es als Besucherbergwerk zugänglich. Der Bergbautraditionsverein Aurora-Erbstolln e.V. öffnet die Grube in der warmen Jahreshälfte für interessierte Gäste. Für eine Rast gibt es genügend Sitzmöglichkeiten.

Am Aurorastollen muss man sich dann entscheiden, ob man die gesamte Strecke wieder zurücklatscht oder über ein Stück Straße und ein langes Stück Feldweg Richtung Tharandter Wald zurückkehrt. Wir wählten Option zwei und kamen so am Seerenteich vorbei. Kurz davor am Wegesrand gibt es ein Vorkommen der Weißen Pestwurz. Das selbe wie oben, nur in weiß. Der Nutzen bezüglich der Pestheilung wird der gleiche sein wie beim roten Pendant, nämlich gleich Null.

Am Seerenteich

Der bis zu 8 Meter tiefe Seerenteich wurde 1828 als Floßteich angelegt. Von hier wurde das Holz aus dem Tharandter Wald bis 1872 auf einer Strecke von 23 km bis nach Dresden geflößt.

Später fungierte er als Bade- und Gondelteich.

Karte

Karte mit Wanderzielen Karte mit Wanderzielen
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Wilde Weißeritz bei Dorfhain
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